Ring frei? AnwohnerInnen haben genug vom Verkehrschaos

Morgens Elterntaxis, abends Dauerparker, nachts Raser: Bewohner der Ringstraße schildern im Stadtrat, warum die Situation vor ihren Haustüren für sie kaum noch auszuhalten ist.

Noch bevor morgens die erste Schulglocke klingelt, wird es eng auf der Ringstraße. Autos halten, parken, rangieren. Busse versuchen, sich durch die verbliebene Lücke zu schieben. Dazwischen Kinder auf Fahrrädern, Menschen zu Fuß – und Anwohner, die eigentlich nur aus ihrer eigenen Einfahrt möchten. Am Mittag beginnt das Ganze noch einmal von vorn. Und nachts? Da wird die Straße nach Aussage der Menschen, die dort leben, zur Rennstrecke.

Mehrere AnwohnerInnen haben ihrem Ärger jetzt in der Sitzung des Engeraner Stadtrates Luft gemacht. Und schnell wurde deutlich: Es geht nicht um einen einzelnen chaotischen Morgen oder eine besonders laute Nacht. Es geht um eine Belastung, die längst zum Alltag geworden ist.

Die Ringstraße verbindet die Spenger Straße mit der Meller Straße. Gleichzeitig liegen mit der Grundschule Enger-Mitte und der städtischen Realschule gleich zwei Schulen an der Strecke. Wenn Unterricht beginnt oder endet, trifft dort ziemlich viel Verkehr auf ziemlich wenig Platz.

„Als Anwohner kommt man kaum noch aus der Einfahrt“, berichtete eine Frau. Fahrzeuge würden auf beiden Straßenseiten abgestellt, sodass sich der Verkehr regelmäßig staue. Busse kämen nur schwer durch, die Fahrbahn sei kaum noch zu überblicken. Dazu komme der Lärm.

Wenn aus Tempo 30 gefühlt Tempo egal wird

Mit dem Schulschluss endet das Problem allerdings nicht. Eine weitere Bewohnerin berichtete von Autofahrern, die besonders nachts mit deutlich zu hoher Geschwindigkeit über die Ringstraße fahren würden. „Besonders nachts wird die Straße zur Auto-Rennstrecke“, sagte sie im Rat. Das sei bald nicht mehr zumutbar.

Dabei gilt auf der Straße Tempo 30. Zumindest auf dem Schild.

Die Anwohnerin fragte deshalb, warum dort nicht häufiger kontrolliert werde. Nach ihrer Wahrnehmung gebe es lediglich wenige Geschwindigkeitsmessungen im Jahr. Bürgermeister Stefan Böske verwies darauf, dass die Stadt selbst bislang keine solchen Kontrollen durchführen dürfe. Zuständig seien vor allem die Polizei und die Straßenverkehrsbehörde des Kreises.

Allerdings plant Enger einen eigenen kommunalen Ordnungsdienst. Sollte es rechtlich möglich sein, könnte dieser künftig bei Bedarf auch den fließenden Verkehr kontrollieren, erklärte Ordnungsamtsleiter Matthias Husemann. Die Hauptaufgabe werde aber weiterhin bei Kreis und Polizei liegen.

Nicht nur Autos sorgen in den Abendstunden für Ärger. Auch E-Scooter würden regelmäßig mit hohem Tempo über die Straße fahren, berichtete ein weiterer Anlieger. Teilweise seien zwei Personen gemeinsam auf einem Roller unterwegs – und das mitunter in ziemlich „halsbrecherischer“ Weise.

Volle Straße auch am Wochenende

Eine Verschnaufpause gibt es für die Nachbarschaft offenbar auch samstags und sonntags nicht. In einem Gebäude an der Ecke Ringstraße und Tiefenbruchstraße trifft sich regelmäßig eine religiöse Gemeinde. Zu diesen Zeiten sei die Ringstraße stark frequentiert und zugeparkt, schilderten die Bewohner. Der Parkdruck verlagere sich bis in die angrenzenden Seitenstraßen.

Hinzu kämen viele an- und abfahrende Autos und entsprechend viele Autotüren, die zugeschlagen würden. Für die Menschen in den Häusern bedeute das jedes Mal neue Unruhe. Böske bestätigte, dass das Gebäude intensiv von der Gemeinde genutzt werde. Auf die Nutzung selbst habe die Stadt jedoch keinen Einfluss. Eine schnelle Veränderung könne er den Anwohnern deshalb nicht versprechen.

Dass sich gar nichts machen lässt, wollen die Betroffenen dennoch nicht akzeptieren. Eine Bewohnerin brachte deshalb einen sehr konkreten Vorschlag mit in den Rat: Die Parkplätze entlang der Ringstraße könnten klar auf der Fahrbahn eingezeichnet werden – und zwar mit ausreichendem Abstand zu den Grundstückszufahrten.

So ließe sich verhindern, dass Fahrzeuge unmittelbar vor den Einfahrten stehen und den Anwohnern die Sicht nehmen. Auch Parkplätze nur auf einer Straßenseite könnten die Lage ihrer Meinung nach deutlich entspannen. Bürgermeister Stefan Böske machte deutlich, dass die Verkehrsprobleme rund um die beiden Schulen im Rathaus bekannt sind. Die Stadt suche bereits nach Lösungen. „Wir arbeiten an der Sache“, sagte er.