
Wenn Erwachsene über Gleichstellung sprechen, geht es oft um große politische Debatten, Statistiken oder Gesetze. Am Widukind-Gymnasium in Enger stand in den vergangenen Tagen eine andere Perspektive im Mittelpunkt: die der Jugendlichen. Rund um den Weltfrauentag haben sich Schülerinnen und Schüler intensiv mit der Frage beschäftigt, was Gleichberechtigung für sie persönlich bedeutet.
Initiiert wurde das Projekt von der Schülervertretung. Sie startete eine Umfrage in den Klassen fünf bis sieben und stellte eine einfache, aber grundlegende Frage: Was bedeutet für mich die Gleichstellung von Mann und Frau? Etwa 300 Schülerinnen und Schüler beteiligten sich daran und gaben ihre Gedanken, Eindrücke und Erwartungen an eine gerechte Gesellschaft ab.
Die Ergebnisse sind inzwischen im Vorraum der Aula zu sehen. Dort haben die Jugendlichen eine Ausstellung gestaltet, die in den Pausen für alle zugänglich ist. Auf Plakaten werden Umfrageergebnisse, Zahlen und Hintergrundinformationen zum Thema Gleichberechtigung präsentiert. Wer durch den Flur geht, merkt schnell: Das Thema bewegt viele.
Doch es blieb nicht nur bei Zahlen und Texten. Einige SchülerInnen haben sich auch künstlerisch mit Gleichstellung auseinandergesetzt. Entstanden sind Bilder und kreative Arbeiten, die zeigen, wie vielfältig die Perspektiven der Jugendlichen sind. Ergänzt wird die Ausstellung durch ein Video, in dem Jugendliche kurze O-Töne geben und erzählen, was Gleichstellung für sie persönlich bedeutet.
Beim Pressegespräch zeigte sich die städtische Gleichstellungsbeauftragte Lydia Erkan beeindruckt vom Engagement der jungen Menschen. Sie freue sich sehr darüber, dass Jugendliche sich aktiv mit dem Thema beschäftigen und selbst zur Aufklärung beitragen. Gerade in jungen Jahren beginne das Bewusstsein für gesellschaftliche Verantwortung.
Auch Bürgermeister Stefan Böske betonte die Bedeutung des Projekts. Kinder und Jugendliche müssten früh lernen, sich mit Gleichberechtigung auseinanderzusetzen. Frauen müssten ihre Stimme erheben und für ihre Rechte eintreten. Das Grundgesetz unterstütze diese Rechte – etwa in Artikel 3, Absatz 2, der die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festschreibt. Letztlich liege es aber an jedem Einzelnen, diese Rechte auch einzufordern und zu leben.
Dass noch nicht alles erreicht ist, machte auch SV-Mitglied Marieke Hensel-Krüger deutlich. Trotz vieler Fortschritte gebe es weiterhin Strukturen, die Ungleichheit begünstigen. „Wir müssen diese Strukturen sichtbar machen“, sagte sie. „Denn trotz vieler Errungenschaften hängen wir noch stark hinterher.“
Auch Lydia Erkan verwies auf Themen, die weiterhin besonders Frauen betreffen – etwa die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit, Altersarmut oder die Frage, wer Verantwortung in Gesellschaft und Politik übernimmt. Frauen müssten stärker in die Öffentlichkeit gehen und ihre Anliegen sichtbar machen.
Die Ausstellung am Widukind-Gymnasium zeigt, dass Gleichstellung längst kein abstraktes Thema mehr ist. Für viele Jugendliche gehört es selbstverständlich zu ihrer Vorstellung von Zukunft und sie haben klare Meinungen dazu. Wer durch den Ausstellungsbereich vor der Aula geht, merkt schnell: Die nächste Generation denkt bereits darüber nach, wie eine gerechtere Gesellschaft aussehen kann.
