
Große Themen brauchen Raum. Manchmal brauchen sie aber auch ein strenges Maß. Das Tanzdrama „Bewegte Geschichte“ aus Enger, das am Wochenende im Klosterhof Liesborn gastierte, wollte beides: Raum für europäische Geschichte, Raum für japanische Märchenmotive, Raum für Musik, Sprache, Tanz und Bild. Herausgekommen ist ein Abend, der in seiner Idee ehrgeizig war, in seiner Wirkung aber oft schwerfällig blieb.
Im Mittelpunkt steht Königin Mathilde, Mutter Ottos des Großen, verbunden mit der japanischen Erzählung um Prinzessin Kaguya. Diese kulturelle Brücke ist klug gedacht und theoretisch reizvoll. Auf der Bühne jedoch verlor sich diese Verbindung immer wieder in langen Textpassagen und erklärenden Momenten, die mehr erläuterten, als dass sie erzählten. Die Inszenierung vertraute stark auf Worte und Konzepte – und zu wenig auf das, was Tanz und Musik eigentlich können: verdichten, zuspitzen, tragen. Was in Ostwestfalen noch mit höflichem Applaus bedacht wird, sorgt im Münsterland bereits für eine stille Kettenreaktion aus schwer werdenden Lidern.
Auch musikalisch und choreografisch gab es starke Einzelmomente. Gerade dort, wo Bewegung den Text kurzzeitig ablösen durfte, entstand so etwas wie Atmosphäre. Doch diese Momente wirkten eher wie Inseln in einem insgesamt sehr ausgedehnten Abend. Nach rund zwei Stunden folgte eine Pause, die viele im Publikum sichtlich dankbar annahmen – weniger, weil die Spannung so groß gewesen wäre, sondern weil der Abend bis dahin viel Sitzfleisch verlangt hatte.

Hinzu kam die überschaubare Publikumsresonanz. Der Saal war nur spärlich besetzt, was einer Produktion, die von Austausch, Wirkung und Präsenz lebt, die Aufgabe nicht leichter machte. Kultur braucht Publikum, und Publikum braucht einen Rhythmus, der mitnimmt. Beides fand an diesem Abend nur bedingt zueinander. So wichtig der künstlerische Anspruch ist: Kultur entfaltet ihre Wirkung erst dort, wo sie ihre Zielgruppe auch wirklich erreicht. Kultur braucht nicht nur Ideen und Engagement, sondern auch ein Gespür für ihr Publikum und dessen Erwartungen.
„Bewegte Geschichte“ will viel: historisch erinnern, kulturell verbinden, künstlerisch vermitteln. Das ist ehrenwert und ambitioniert. In Liesborn jedoch blieb der Eindruck, dass der Abend sich selbst im Weg stand – zu lang, zu erklärend, zu wenig zugespitzt. Am Ende überwog nicht die Faszination, sondern das Gefühl, einer guten Idee bei ihrer mühsamen Entfaltung zugesehen zu haben. So ambitioniert das Projekt war, so blieb doch der Gedanke, dass diese Fördermittel an anderer Stelle mehr hätten bewegen können.
Man verlässt den Saal mit Respekt vor dem Anspruch der Macherinnen und Macher – und mit dem Wunsch, dass weniger Konzept und mehr Mut zur Kürze diesem Projekt gutgetan hätten.

