„Schieß doch mal zu mir, Frau Tuxhorn!“

Die Bambinis beim TUS Grün-Weiß Pödinghausen coachen zwei Frauen.

Die Bambinis des TuS Pödinghausen bestehen aus 20 kleinen Jungen und Mädchen, die mit ihren beiden Trainerinnen Jana und Wanessa jede Woche nicht nur Fußball spielen, sondern auch lernen ein Team zu sein.

„Jungs, aufstellen!“ Dienstag, 16 Uhr in Pödinghausen. Auf dem Fußballplatz des TuS Grün-Weiß Pödinghausen rennen 12 kleine Jungs und 8 kleine Mädchen mit leuchtenden Wangen über den Rasen. Der Ball rollt, einer trifft ins Netz – Jubel bricht aus. An der Seitenlinie steht Jana Tuxhorn, die Arme in die Hüften gestemmt, ein Lächeln im Gesicht. „Sauber gemacht! Und jetzt alle wieder in Position!“

Jana Tuxhorn ist hier Trainerin – und damit eine kleine Sensation. Denn wenn kleine Kinder ihre ersten Fußballschuhe schnüren, treffen sie meist auf männliche Trainer.

Fotos: Naemi Schneider

Jana, die Pädagogik der Kindheit studiert, bringt frischen Wind in die traditionsreiche Männerwelt des Fußballs. Gemeinsam mit ihrer Freundin, der 20-jährigen Wanessa, leitet sie das Training der Bambinis. Und das ist weit mehr als nur ein sportliches Abenteuer.

Für die Bambinis sind Jana und Wanessa von Anfang an einfach „die Trainerinnen“. Keine große Sache? Doch! Denn während ältere Generationen oft mit dem Bild des brüllenden Männer-Coaches aufgewachsen sind, lernen diese Kinder: Kompetenz, Führung und Fairness sind keine Frage des Geschlechts. Wer gut erklärt, motiviert und fair bleibt, dem hört man zu – egal, ob Mann oder Frau. Eine Haltung, die sie vielleicht ihr Leben lang begleiten wird.

Wanessa und Jana lernten sich bei einem Praktikum in einem Kindergarten kennen und wussten gleich: Das passt! Die beiden Trainerinnen setzten im Training vor allem auf Bindung zu den Kindern und Spaß.

Fotos: Naemi Schneider

Trainerinnen sind im deutschen Sport eine klare Minderheit: Nur 23 % aller Trainer sind weiblich und je mehr das Leistungsniveau steigt, um so deutlicher sinkt die prozentuale Beteiligung von Frauen. Noch ist es also ungewöhnlich, dass eine Frau sagt, wo es auf dem Spielfeld lang gehen soll. 

Dass sie nicht nur Fußball kann, sondern auch versteht, wie kleine Menschen ticken, merkt man in jeder Übung. Während andere Trainer oft auf Drill setzen, bringt Jana spielerische Elemente ein. Sie weiß, wann es Zeit für eine Trinkpause ist, wann ein Kind Ermutigung braucht und wann es selbstständig Lösungen finden sollte. Beim Training hüpft so manchesKind auch auf ihren Schoss. „Der Spaß und die Bindung der Kleinen ist uns am Wichtigsten. Sie sollen sich hier einfach sicher und wohl fühlen – dabei bewegen sie sich noch an der frischen Luft”, erklärt Jana. Und dafür sind sie auch mal Piraten und der Ball ein Schatz.

Auch Sohn Mats ist vor allem auf dem Bolzplatz in Pödinghausen zu finden – durch ihn kam Jana zum Fußball. Foto: privat

Wanessa steht währenddessen am Tor und zeigt einem kleinen Blondschopf, wie er sich besser positioniert. Zwei Frauen,die ein Team leiten – ein Anblick, der in der Fußballwelt noch immer eine Seltenheit ist. Aber genau das macht es so wertvoll. „Die Kids lernen hier nicht nur, wie man dribbelt“, sagt Jana. „Sie lernen auch, dass Respekt, Teamgeist und Fairness wichtiger sind als alte Rollenbilder.“ Und wenn sie irgendwann in eine Mannschaft mit männlichem Trainer wechseln? Dann wissen sie: Frauen könnengenauso gut coachen. Weil sie es erlebt haben.

Pfeife. Abpfiff. „Super gemacht! Und jetzt alle in den Abschlusskreis!“ Die Kinder kommen fröhlich angerannt. Jana verschränkt die Arme und grinst. Hier geht jeder motiviert nach Hause.

Von Jana Göb