Mit Honig an den Fingern und Schrauben in der Hand

Warum Vorschulkinder aus Hiddenhausen in Westerenger lernen, indem sie anfassen, ausprobieren und staunen

„Lernen ist Erleben.“ Wer das Vereinszentrum von ZETIS e.V. an der Grundschule Westerenger betritt, kommt an diesem Satz nicht vorbei. Er hängt dort auf leuchtend gelben Plakaten, daneben weitere Botschaften wie „Lernen mit Hirn, Herz und Hand“ oder „Ansehen, anfassen, ausprobieren – so geht Lernen“. Was nach Pädagogik klingt, wird hier ganz praktisch gelebt.

24 Vorschulkinder des evangelischen Kindergartens Hiddenhausen-Schweicheln haben Anfang Mai genau das erlebt. Für sie stand ein besonderer Lern-Tag auf dem Programm: einer, bei dem niemand stillsitzen musste.

Seit drei Jahren arbeitet ZETIS mit der Kita zusammen. Zweimal im Jahr besuchen Vereinsmitglieder die Einrichtung, einmal jährlich kommen die angehenden Schulkinder selbst nach Westerenger. Dort wartet kein Klassenzimmer, sondern eine Erlebniswelt zum Mitmachen.

Kaum angekommen, werden die Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt. Während die eine Gruppe sich auf die Spuren der Honigbiene begibt, darf die andere tüfteln, schrauben, bauen und ausprobieren.
An sechs Stationen warten Aufgaben, die alle von den Vereinsmitgliedern selbst entwickelt und gebaut wurden. Schrauben müssen sortiert und eingedreht werden, passende Schraubendreher gefunden, Fäden eingefädelt, ohne dass sie sich kreuzen, Zollstöcke zu Formen gelegt und Drahtgebilde nachgebaut werden. Besonders beliebt: die Herausforderung, den höchsten Turm zu bauen.

„Das schult nicht nur die Rechts-Links-Koordination“, erklärt Manfred Vielhauer von ZETIS. „Kinder sollen alles begreifen – also wirklich be-greifen. Lernen durch Tun und Anfassen bleibt viel nachhaltiger hängen.“ Dass dieser Ansatz funktioniert, zeigt sich schnell. Überall wird ausprobiert, verglichen und diskutiert. Fehler sind hier keine Niederlagen, sondern Teil des Lernprozesses. Wer einen Turm zum Einsturz bringt, baut eben den nächsten noch stabiler.

Kitaleiterin Silke Heller schätzt genau diesen Ansatz: „Das Konzept von ZETIS passt einfach perfekt zu unseren Werten: Forschen, entdecken und lernen.“

Während drinnen geschraubt wird, geht es draußen summend weiter. Der Imkerverein Spenge-Enger e.V. zeigt im eigens angelegten Schulgarten seine Bienen. Vorsitzender Norbert Aschhoff erklärt den Kindern, wie ein Bienenvolk funktioniert und warum die kleinen Insekten für unsere Umwelt so wichtig sind.

Dann wird es praktisch. Die Kinder schlüpfen in kleine Imkeranzüge, ziehen Waben aus den Kästen, entfernen das Wachs und beobachten fasziniert, wie Honig geschleudert wird. Berührungsängste? Fehlanzeige. Stattdessen jede Menge neugierige Fragen und große Augen.

Am Ende dürfen die kleinen Imkerinnen und Imker sogar Honig mit nach Hause nehmen – selbst geschleudert und selbst erlebt.

Für die passende Stärkung sorgt Edeka Wehrmann. Neben einem gesunden Frühstück unterstützt das Unternehmen auch das Mittagessen. Auf den Tisch kommen die mittlerweile „ZETIS-Knusperknollis“ und eine „Schneewittchencreme“. Bevor es zurück nach Hiddenhausen geht, werden noch Edeka-Tüten bemalt und mit Proviant für den Heimweg gefüllt. „Als Lebensmittelpartner der Region ist uns besonders wichtig, Kindern ein gesundes Frühstück zu ermöglichen und Vorschulaktivitäten zu fördern“, sagt Falk Langhof von Edeka Wehrmann.

Dass das Projekt inzwischen weit über die Kita Schweicheln hinaus Aufmerksamkeit erregt, zeigt ein weiterer Gast des Tages. Justine Lowack, Leiterin der evangelischen Kita „Unterm Regenbogen“, schaute sich das Konzept vor Ort an. Im kommenden Jahr sollen auch ihre Vorschulkinder dabei sein.

Bis dahin werden im Vereinszentrum weiter Schrauben gedreht, Türme gebaut und kleine Erfolgserlebnisse gesammelt. Ganz nach dem Motto, das dort an der Wand hängt: Lernen ist Erleben. Und manchmal beginnt ein großes Abenteuer schon mit einem Schraubendreher in Kinderhand.