
In Enger stehen sie an vielen Stellen: Poller, die den Autoverkehr bremsen und Radwege sichern sollen. Nach dem landesweiten Pollererlass in Nordrhein-Westfalen müssen viele dieser Sperren nun überprüft, verändert oder ganz ersetzt werden. Auslöser war ein tödlicher Unfall in Halle (Westf.), bei dem ein Radfahrer an einem Poller stürzte. Das Land reagierte mit klaren Vorgaben: Hindernisse im öffentlichen Verkehrsraum sollen möglichst vermieden oder so gestaltet werden, dass sie gut sichtbar und im Notfall schnell zu entfernen sind. Hindernisse dürfen nicht selbst zur Gefahr werden. Viele Kommunen stehen jetzt also vor der Frage: Wie den neuen Auflagen gerecht werden und gleichzeitig den Autoverkehr fern halten?
Genau hier setzt das an, was die Widukindstadt jetzt als „Engeraner Modell“ vorstellt. Es geht um einen grundsätzlichen Umbau der bisherigen Lösung. Die neuen Barkenpfosten sind so konstruiert, dass sie die Fahrbahnmitte freihalten und zugleich mit 1,60 bis 1,70 Meter Abstand zueinander eine ausreichend breite Durchfahrt ermöglichen. Lastenräder, Dreiräder oder Fahrräder mit Anhänger sollen hier ohne Slalom und ohne Risiko passieren können. Gleichzeitig bleiben die Elemente für den motorisierten Durchgangsverkehr eine klare Barriere.
Ein zentraler Punkt des Erlasses ist die Rettungssicherheit. Die neuen Pfosten lassen sich mit einem speziellen Kantenschlüssel in kurzer Zeit entfernen, sodass Feuerwehr und Rettungsdienste im Einsatzfall keine Zeit verlieren.
In Enger wurde dafür nicht einfach auf ein Standardprodukt zurückgegriffen. Die Stadt hat mehrere Varianten auf dem Bauhof testen lassen und schließlich eine eigene Lösung entwickelt. Maßgeblich vorangetrieben wurde das Projekt von Marko Ellerbrock, zuständig für die Verkehrsinfrastruktur, der die Anforderungen aus dem Erlass, die Praxis der Rettungskräfte und die Bedürfnisse des Radverkehrs zusammenbringen musste. „Sichtbar, nachvollziehbar und im Notfall schnell weg“, erklärt Marco Ellerbrock seine Idee. „Ich dachte, hier muss es doch eine Lösung geben“, berichtet er und lies beim Bauhof Poller anfertigen, die auch in der Dunkelheit durch große Reflektoren sichtbar sind. Zudem lassen sie sich in wenigen Minuten mit einem Kantschlüssel entfernen. Beratend eingebunden war auch der ADFC Enger-Spenge, der vor allem auf die Alltagstauglichkeit und die Sicherheit für unterschiedliche Fahrradtypen geachtet hat.

Das Ergebnis hat inzwischen auch das Straßenverkehrsamt des Kreises Herford überzeugt. Das „Engeraner Modell“ ist dort geprüft und freigegeben worden und soll nun anderen Kommunen im Kreis als Vorlage dienen. Enger selbst plant, nach und nach alle bisherigen Poller an 36 Standorten auszutauschen. An der Sattelmeierstraße befinden sich schon sechs neue Poller im Einsatz.
Der tödliche Unfall in Halle hat diese Debatte beschleunigt – und dafür gesorgt, dass Kommunen wie Enger ihre Infrastruktur noch einmal grundlegend überdenken.
Ob das „Engeraner Modell“ sich auch anderswo bewährt, wird sich zeigen. Für Enger ist es vorerst ein praktischer Kompromiss zwischen Schutz, Durchlässigkeit und Rettungssicherheit – und ein Beispiel dafür, wie aus einer landesweiten Vorgabe eine lokale Lösung entstehen kann, die über die Stadtgrenzen hinaus Schule machen soll.
