Engers Pokémon Go Community

Gemeinsames Fangen! Komm, schnapp sie dir! Wer in Enger Pokémon fangen will, braucht vor allem eins: Geduld. „Pokémon Go“ wurde 2026 zum überraschenden Welthit – auch in der Widukindstadt. Egal ob Glurag, Schilggy , Glumanda oder Bisasam: „Wenn ein wildes Pokémon in der Nähe ist, muss man schnell darauf tippen, um es zu fangen“, erklärt Finn. Zusammen mit seiner Mama Janine und fünf weiteren Spieler:innen aller Altersstufen ist er Teil der Pokémon-Go-Gruppe Enger.

Jeden Mittwoch ist „Raid-Stunde“

Die Gruppe trifft sich jeden Mittwoch zur „Raid-Stunde“ um gemeinsam auf dem Parkplatz am Friedhof auf digitale Jagd zu gehen. Dort an der „Arena“ tummeln sich die bunten Monster, genauso wie ihre menschlichen Trainer:innen. Je nach verwendetem Pokéball varriert die Fangchance, dabei auch wirklich erfolgreich zu sein. Die Stimmung ist ausgelassen, aber angespannt. Jede:r will hier erfolgreich sein: „Wichtig ist ganz schnell zu tippen“, erzählt der Grundschüler, während er fokussiert, immer wieder mit dem rechten Zeigefinger auf den Bildschirm seines Handys tippt. „Bei dem Event erscheinen bestimmte Pokémon häufiger als Raid-Bosse, also Gegner in den Kämpfen“, erklärt Mama Janine. Die Raid-Bosse seien neue, sehr seltene, mysteriöse oder sogar legendäre Pokémon, die sogar besondere Attacken kennen: „Auf die haben wir es natürlich abgesehen“, fügt sie schmunzelnd hinzu.

Seit mehr als 20 Jahren sind die kleinen japanischen Monster ein Globus umspannendes Phänomen. Viele junge Erwachsene sind mit den Pokémon aufgewachsen, die durch eine Anime-Serie sowie diverse Video Games zu kleinen Popikonen des 21. Jahrhunderts mutiert sind. Statt Pokéball reichen 2025 jedoch ein mobiles Endgerät mit Internetverbindung und eine App. Nicht nur in Enger werden ab 18 Uhr Ortszeit versucht, so viele Pokémon wie möglich zu fangen, sondern auf der ganzen Welt. Laut App-Entwicklerfirma Niantic gibt es aktuell rund 20 Millionen wöchentlich aktive Spieler:innen. Die Hälfte sei sogar täglich auf der Jagd nach den kleinen Taschenmonster. Die App ist weiterhin als “essenzielles Spiel” im Apple-Store gelistet – teilweise war sie laut offizieller Downloadstatistiken sogar erfolgreicher als die Dating-App “Tinder”.

Viele hier in Enger sind seit App-Launch 2016 dabei, Finn und Janine sind 2022 gestartet: “Ich war eigentlich immer sein `Sailor Moon’-Mädchen und hatte mit Pokémon wenig zu tun – ganz im Gegensatz zu meinem Sohn. Er hat mich da buchstäblich mit reingezogen”, berichtet Janine. Manche der Engeraner Spieler:innen kamen sogar noch später dazu: „Ich spiele gemeinsam mit meinen Söhnen“, erklärt Team-Mitglied Silvi. „Wir haben während der Corona-Pandemie angefangen, weil ich die beiden endlich mal vor die Tür bekommen wollte“, erzählt sie lachend. Vor einem Jahr habe sie selbst auch angefangen zu spielen – und hat nicht mehr aufgehört. Heute sind die Jungs krank, Silvi ist trotzdem gekommen – drei Handy inklusive: „Das Spiel geht ja weiter“, sagt sie mit einem Zwinkern.

Während Silvie erzählt, hat Finn ein besonderes Pokémon fangen können. Er jubelt: „Mama! Silvi! Ich hab es geschafft“, ruft er und hält den beiden Frauen unter anerkennendem Gemurmel stolz das Handy hin. Was die Gruppe am meisten am Spielen fasziniert? Das Sammeln: „Es werden immer wieder neue Pokémons und Events freigeschaltet. Da bleibt man natürlich dran – manchmal vielleicht etwas zu sehr“, erzählt Janine.

Janine, Finn und Silvi gehören zu der Pokémon Go-Crew in Enger, die sich jeden Mittwoch gegenüber der Q1-Tankstelle trifft.

Geduld oder doch lieber Geld?

Worauf sie anspielt: Auch bei „Pokémon Go“ können sogenannte „In-App“-Käufe getätigt werden – eine Praxis, die in der Gaming Community nicht unumstritten ist. Die App beziehungsweise das Spiel an sich kosten die User:innen nichts, um aber wirklich erfolgreich zu sein werden die Nutzenden im Game dann doch zur Kasse gebeten. Die einzige Alternative: Sehr viel Geduld. Auch in der Engeraner Community sind die Spielenden darüber zwiegespalten. Während Teile der Gruppe zwar sehr viel Zeit, aber noch keinen Cent in die digitalen Fabelwesen gesteckt haben, sieht das bei anderen dann doch eher anders aus: „Bei ganz besonderen Anlässen zwinkern wir da schon mal eine Auge zu“, schmunzelt Janine. „Als es Pikatchu in Indien mit einem traditionellen Sari gegeben hat, haben wir einen Fernweltpass gekauft“, berichtet sie.

Neben der Widukindstadt, gibt es auch in Herford und Bielefeld gibt es „Pokémon Go“-Treffs: „Die sind natürlich deutlich mehr. Aber das schöne ist, dass man auch im kleinen einer sehr großen Community sein kann“, erzählt Janine. Und der „Pokémon Go“-Treff aus Enger ist wirklich eine eingeschworene Truppe.

Während die Sonne über der Q1-Tankstelle immer weiter untergeht, löst sich die Truppe langsam auf. Nur noch wenige blinkende Handys erleuchten die einsetzende Dunkelheit. Finn, Silvi und Janine sind zufrieden: “Das war klasse”, freut sich der Grundschüler. Auch nächste Woche werden sie wieder auf der Jagd sein. In Enger – und der ganzen Welt.

Von Elle Noorden