
Nach einem Jahr Bauzeit ist der Fuß- und Radweg am Bolldammbach wieder komplett geöffnet. Auf 365 Metern gibt es jetzt mehr Platz für Alltagswege, kleine Pausen und eine Runde Sport.
Der erste ISEK-Bauabschnitt ist fertig. Und nein, wir sprechen ausnahmsweise nicht von der Renteistraße. Die gute Nachricht kommt vom Bolldammbach: Zwischen Ringstraße und Burgstraße ist der Fuß- und Radweg wieder durchgehend frei. Nach genau einem Jahr Bauzeit können wir dort also wieder die ganze Strecke entlanglaufen und radeln.
Der westliche Abschnitt war bereits geöffnet, jetzt ist auch das letzte Stück geschafft. Offiziell freigegeben wurde die Verbindung am 2. November von Bürgermeister Stefan Böske, Vertretern der Bezirksregierung Detmold und weiteren Projektbeteiligten. Dass der Weg im vergangenen Jahr gefehlt hat, dürfte vielen aufgefallen sein, die zwischen Maiwiese und Supermärkten unterwegs sind. „Der Radweg fehlte in der Bauzeit“, sagt auch Böske. Für den Radverkehr in Enger sei die Strecke enorm wichtig.
Jetzt ist sie drei Meter breit. Damit haben auch Lastenräder und der Gegenverkehr mehr Luft. Dazu kommen Sitzgelegenheiten, neue Pflanzflächen und ein Zugang zum Bolldammbach. Wer unterwegs noch Energie übrig hat, kann sich an der Calisthenics-Anlage austoben – also an Geräten, an denen mit dem eigenen Körpergewicht trainiert wird. Auch der Streetballplatz am Jugendzentrum Kleinbahnhof gehört zur Aufwertung des Umfelds. So wird aus der Strecke zum Einkauf vielleicht gelegentlich ein etwas längerer Ausflug.
Dass die letzten Meter auf sich warten ließen, lag allerdings weder an den Sitzbänken noch an den Sportgeräten. An der Maiwiese steckte die Herausforderung unter der Erde: Während der Arbeiten wurde eine Hauptwasserleitung gefunden. „Die Fertigstellung hatte sich verzögert wegen eines kleinen Dilemmas an der Maiwiese“, erklärt Fachbereichsleiter Clemens Hofstätter. Es musste geklärt werden, wie stark die Leitung durch die weiteren Arbeiten belastet werden durfte. Gleichzeitig galt es, die vorhandenen Baumwurzeln zu schützen.
Die rettende Idee kam von einem Mitarbeiter des Bauhofs: großformatige Fertigbetonplatten, wie sie auch auf niederländischen Radwegen eingesetzt werden. „Das Ganze war dann in zwei Tagen fertig verlegt“, berichtet Hofstätter. Und die Baumwurzeln konnten auf diese Weise ebenfalls geschützt werden. Manchmal braucht es eben jemanden mit einer guten Idee – und einen Blick zu den Nachbarn.

Finanziert wurde das Projekt mithilfe zweier Förderprogramme. Für den Ausbau der Fuß- und Radwegeverbindung greift die Förderrichtlinie Nahmobilität, kurz FöRiNah. Sie übernimmt 80 Prozent der dafür angesetzten 691.000 Euro. Die Verbreiterung auf drei Meter war eine Voraussetzung für diese Förderung.
Die Gestaltung drumherum wird dagegen über die Städtebauförderung mit einer Förderquote von 70 Prozent unterstützt, erläutert Silke Deininger von der Stadt Enger. Dieser Teil gehört zum ISEK, dem „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept“. Hinter dem sperrigen Namen steckt der Plan, Engers Innenstadt und öffentliche Räume Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Am Bolldammbach bedeutet das: den Bach zugänglicher machen und entlang des Weges Orte schaffen, an denen man auch mal bleiben möchte. „Es soll ja auch das Gesamtergebnis schön sein, die Umgebung“, sagt Böske.
Für die Gesamtmaßnahme liegt der Kostenrahmen bei 1,4 Millionen Euro. Er sei trotz der Schwierigkeiten eingehalten worden, berichtet Deininger – auch dank der „mutigen und neuen Lösung“ mit den Betonplatten.
Für uns heißt das erst einmal: Der Weg am Bach ist zurück. Für die schnelle Runde zum Supermarkt genauso wie für die kleine Pause auf dem Rückweg.
