Alle reden über ISEK!

Doch was bedeutet das Konzept wirklich für Engers Innenstadt?

Bild: Vorentwurfsplanung 2023 von Bockermann Fritze

Die Widukindstadt Enger steht vor einer Großbaustelle: Mit dem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) soll die Innenstadt umfassend modernisiert werden. Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität zu verbessern, Barrieren abzubauen und eine zukunftsfähige Infrastruktur zu schaffen. Das Projekt ist ein Kraftakt – doch durch eine 70-prozentige Förderung des Landes NRW ist es eine einmalige Chance, die Stadt für kommende Generationen nachhaltig zu gestalten.

Wie soll die Innenstadt der Zukunft aussehen? Diese Frage wurde nicht hinter verschlossenen Türen entschieden – die Bürgerinnen und Bürger Engers waren von Anfang an dabei. In Workshops, einer Online-Beteiligung und einem großen Bürgerforum 2020 konnten sie ihre Ideen einbringen.

Um die besten Konzepte für die Umsetzung zu finden, wurde anschließend ein freiraumplanerischer Wettbewerb ausgeschrieben. Verschiedene Planungsbüros reichten kreative Entwürfe ein, aus denen eine Fachjury den Sieger kürte. Diese Ideen flossen dann in die konkrete Planung ein.

Die Bauabschnitte: So wird Enger umgestaltet

Die ersten sichtbaren Veränderungen stehen bereits kurz bevor. Nach dem Kirschblütenfest starten Anfang Mai die Erdarbeiten zur Neuverlegung der Versorgungsleitungen in der Renteistraße. Für diesen Zeitraum wird das Parken dort nicht möglich sein – als Alternative wird der Barmeierplatz als zusätzliche Parkfläche freigegeben. Anschließend folgt die Neugestaltung der Renteistraße, die in drei Abschnitte unterteilt wird: 1. Steinstraße bis Kirchstraße, 2. Kirchstraße bis Brandstraße, 3. Brandstraße bis Bahnhofstraße.

In welcher Reihenfolge gebaut wird, entscheidet die ausführende Firma abhängig vom optimalen Bauablauf. Wichtig sei, so Marko Ellerbrock, der „Baustellenkümmerer“ der Stadt Enger, dass „einzelne Bereiche der Renteistraße auch während der Bauarbeiten weiter nutzbar bleiben.“ Nach Abschluss dieser Arbeiten werden weitere zentrale Bereiche erneuert: Steinstraße, Burgstraße, Barmeierplatz.

Die Renteistraße wird im ersten Bauabschnitt umgestaltet. Die Fahrbahn erhält eine Breite von vier Metern. Auf der Südseite wird ein 2,5 Meter breiter, barrierefreier Gehweg mit taktilem Leitsystem entstehen. Der Gehweg auf der Nordseite wird zwei Meter breit sein. In der mittleren Renteistraße sind auf der Nordseite abwechselnd Parkplätze und Baumstandorte vorgesehen. Die neuen Bäume werden in Pflanzbeeten gesetzt. 

Grünflächen für die Zukunft?

Ein sensibler Punkt der Baumaßnahmen ist der Baumbestand  entlang der Renteistraße. Von 28 alten Bäumen – hauptsächlich Linden – müssen 11 aus Krankheitsgründen gefällt werden, 17 weitere weichen der weichen der Neugestaltung. Diese Entscheidung wurde auf Basis eines Baumgutachtens getroffen. Doch Fachbereichsleiter Clemens Hoffstätter sieht in der Neugestaltung eine Chance: „Für diese entfallenden Bäume wird es Neuanpflanzungen von Baumarten geben, die besser mit den sich wandelnden klimatischen Bedingungen zurechtkommen.“ Geplant ist die Pflanzung von Feldahorn, Eschen, Buchen und anderen klimaresilienten Baumarten.

Die Veränderungen basieren auf neuen Erkenntnissen zur Stadtbegrünung. „So, wie die Bäume in der Innenstadt seinerzeit gepflanzt worden sind, würde man das mit dem Ziel der Langlebigkeit und Vitalität heute nicht mehr tun“, erklärt Hoffstätter, der die Maßnahmen unterstützt.

Aktionen und Events begleiten die Bauzeit

Damit die Innenstadt trotz Bauarbeiten belebt bleibt, sind zahlreiche Aktionen geplant: Baustellenpartys, Baustellenbegehungen für Interessierte und der Tag der Städtebauförderung am 10. Mai mit besonderen Veranstaltungen. „Wir wollen zeigen, dass ISEK mehr ist als eine Baustelle – es ist ein Neustart für unsere Stadt“, erklärt Anja Vor der Brügge-Schütte vom Stadtmarketing.

Skepsis und offene Fragen: Was bedeutet der Umbau für Anwohner und Unternehmer?

So notwendig und zukunftsweisend die Neugestaltung der Innenstadt auch ist – nicht alle blicken dem Bauprojekt mit Begeisterung entgegen. Anwohner sorgen sich um Lärm, Schmutz und eingeschränkte Zugänge zu ihren Häusern. Vor allem aber sind es die Geschäftsleute, die mit gemischten Gefühlen auf die kommenden Jahre blicken. „Was passiert, wenn Kunden ausbleiben, weil Baustellen den Weg versperren?“ ist eine der häufigsten Fragen, und: „Warum werden weniger Parklplätze gebaut als aktuell vorhanden?”. Auch, dass sich die neuen Pflastersteine von denen an der Bielefelder Straße abheben, ist für viele ein optisches No-Go. 

Die Stadt verspricht, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten: „Fußwege bleiben erreichbar, alternative Parkplätze werden geschaffen und mit regelmäßigen Infos soll Transparenz gewährleistet werden”, so Vor der Brügge-Schütte. Doch ob das reicht, um die Bedenken auszuräumen, wird sich erst im Laufe der Bauzeit zeigen.

Wohin mit meinen Fragen?

Ein Bauprojekt dieser Größenordnung erfordert eine enge Abstimmung mit der Bevölkerung. Die Stadt setzt auf verschiedene Kanäle, um Bürgerinnen und Bürger regelmäßig zu informieren:

Auch persönliche Informationsveranstaltungen für Anwohnerinnen und Anwohner sind geplant, um über den Baufortschritt zu informieren und Fragen zu beantworten.

Der Baustellenkümmerer als Vermittler

Während der Bauarbeiten ist Marko Ellerbrock als Baustellenkümmerer für Anwohner, Geschäftsleute und Bauunternehmen ansprechbar. Er ist täglich vor Ort, koordiniert Abläufe und kümmert sich um Probleme oder Fragen. Erreichbar ist er unter

Tel. 05224/980042, mobil unter 0152/06333487 oder

per E-Mail an m.ellerbrock@enger.de.

Von Jana Göb

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schreibe einen Kommentar