Das Wunder vom Lenzibad

Rettung in letzter Minute

Das Lenzibad in Spenge stand vor dem Aus. Die marode Beckenfolie machte einen Weiterbetrieb unmöglich, das Becken verlor pro Tag 150 Kubikmeter Wasser und ohne Finanzierung schien eine Sanierung nicht realisierbar. Auch eine Badeaufsicht konnte durch fehlendes Personal nicht mehr garantiert werden. Doch wer das Team vom Lenzibad kennt, weiß: Totgeglaubte leben länger. Die Freibad-Interessengemeinschaft (FBI) entwickelte ein Konzept, um das Bad als Nichtschwimmerbecken mit reduzierter Tiefe von 1,35 Meter weiterzuführen. Damit sollten gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Die Badeaufsicht würde vereinfacht, das Becken wieder abgedichtet und das Bad mit weniger Energie und Chemikalien kostengünstiger Weiterbetrieben werden.

Insgesamt belaufen sich die Sanierungskosten für das Bürgerbad in Spenge-Lenzinghausen auf 347.000 Euro – plus Eigenleistungen. Die Finanzierung sollte durch Eigenmittel, Spendenveranstaltungen, Fördergelder und einen Kredit der NRW-Bank erfolgen. Eine Bedingung der Bank: Die Stadt Spenge musste den Nutzungsvertrag, statt wie bisher jährlich, für ganze 20 Jahre verlängern.

Nach monatelangen Verhandlungen stimmte der Stadtrat am 16. Februar einstimmig zu. Am 21. Februar unterzeichnete Bürgermeister Bernd Dumcke den neuen Vertrag, sodass die Finanzierung gesichert war. Kurz darauf starteten die ersten Arbeiten: Die Ehrenamtlichen vom FBI entfernten die marode Überlaufrinne und bereiteten alles für die kommenden Arbeiten vor.

Am 12. März folgte der nächste Meilenstein: Die Baugenehmigung und die Finanzierungszusage der NRW-Bank trafen ein. Damit war der Weg für die Sanierung endgültig frei. Eine Baustraße wurde angelegt, ortsansässige Unternehmen stellten Bagger, Radlader und Rüttelplatte zur Verfügung. Mitglieder der FBI nahmen sich mehrere Tage Urlaub, um beim Bau zu helfen – denn „ohne Eigenleistung wäre das Projekt nicht finanzierbar gewesen“, weiß Vorsitzender Sieghart Kröger.

Zunächst wurde die ehemalige Sprunggrube verfüllt, dann das gesamte Becken bis auf eine Tiefe von 1,70 Metern mit Recyclingschotter aufgefüllt. Drainagen wurden eingebaut, um Probleme mit aufsteigendem Grundwasser zu vermeiden. Darauf folgt eine Sandschicht mit der Verrohrung für 90 Frischwasser-Bodendüsen. Anschließend wird eine 25 Zentimeter dicke Betonschicht gegossen, die vier Wochen aushärten muss. Währenddessen kann bereits die Überlaufrinne foliert werden, bevor abschließend die neue Beckenfolie verlegt wird.

Die Bauarbeiten brachten Herausforderungen mit sich. „Es war nicht so einfach, den Schotter zu verdichten“, berichtet Achim Dingerdissen. Zudem musste mehr Material nachbestellt werden als zunächst geplant. Eine zusätzliche Drainage in zwei Metern Tiefe und eine seitliche Bohrung sollen künftig für eine bessere Wasserableitung sorgen.

Am 24. März findet eine Baustellenbesprechung mit allen Gewerken statt, um den Zeitplan zu überprüfen. Die Verrohrung startet wenn alles gut geht im April – laut Siekhard Kröger eine „sportliche Herausforderung“. Dennoch soll das Lenzibad pünktlich zu den Sommerferien wieder öffnen. Denn Ende August wartet schon ein weiterer Meilenstein auf das Bürgerbad: Das 95. Jubiläum.

Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für die ersten Veranstaltungen: Am 20. April findet das Osterfeuer statt, am 10. Mai die Pflanzentauschbörse mit Musik und Essen.

Das Lenzibad bleibt dank des Engagements der FBI erhalten. Ohne die ehrenamtliche Arbeit wäre die Sanierung finanziell nicht machbar gewesen. Jetzt geht es darum, den Zeitplan einzuhalten und das Bad für die kommenden Jahre zu sichern. Und wenn die ersten Kinder im Sommer wieder ins Wasser springen, wird klar: Das Wunder vom Lenzibad ist gelungen.

Von Jana Göb