Spenge hat sein Stadtfest neu erfunden und alle wollten dabei sein

Es roch nach Langos, Burgern und Churros, aus den Boxen dröhnte Livemusik und schon von Weitem drehte sich das nostalgische Kettenkarussell über den Dächern der Immanuel-Kant-Straße. Wer am Wochenende nach Spenge kam, merkte schnell: Hier ist etwas Neues entstanden.

Mit dem „Spenger Kant“ hat die Stadt ihr traditionsreiches Lange-Straßen-Fest komplett neu gedacht und der Neustart scheint geglückt. Trotz hochsommerlicher Temperaturen zog es den ganzen Tag über Besucher auf das Festgelände. Spätestens gegen 19 Uhr wurde es richtig voll. Vor der Bühne wurde getanzt, mitgesungen und gefeiert, während sich die Wege zwischen Foodtrucks, Fahrgeschäften und Vereinsständen immer weiter füllten.

„Nach 19 Jahren endlich wieder eine Kirmes in Spenge“, sagte Stadtmarketing-Leiterin Nicole Bertram. Genau das sei die Idee gewesen: ein Fest, das Familien genauso begeistert wie Jugendliche oder ältere Besucher. Und genau dieses Gefühl zog sich durch das ganze Wochenende.

Während die einen entspannt über den Flohmarkt schlenderten oder beim Tag der Vereine ins Gespräch kamen, zog es andere direkt zu den Fahrgeschäften. Der Breakdancer gehörte zu den absoluten Publikumslieblingen. Daneben sorgte einer der größten Autoscooter Deutschlands für lange Schlangen.

Für viele Lacher war der „Scheibenwischer“ verantwortlich. Die Aufgabe: Während sich das Fahrgeschäft immer schneller drehte, möglichst viel Wasser aus einem Becher trinken – und am Ende trotzdem noch möglichst viel darin behalten. Klingt einfach. War es nicht. Wer den höchsten Wasserstand ins Ziel brachte, durfte sich über eine Freifahrt freuen.

Auch beim Essen zeigte der „Spenger Kant“, dass Stadtfeste längst mehr sein können als Bratwurst und Pommes. Rund 15 Foodtrucks boten ungewöhnliche Kreationen an – von Keksteig zum Löffeln über Pommes mit Rote-Bete-Creme bis hin zu Langos. Viele Besucher probierten sich einfach einmal quer durch das Angebot.

Als am Abend United Four die Bühne übernahm, wurde endgültig klar: Das Konzept funktioniert. Die Band verwandelte den Platz in eine Sommerparty, vor der Bühne wurde gesungen, getanzt und bis in den Abend gefeiert.

Dass all das in nur vier Monaten geplant wurde, überrascht. Umso zufriedener fiel das Fazit von Nicole Bertram aus. Ein kleiner Wermutstropfen blieb allerdings: Das angekündigte Laufgeschäft „Happy Family“ konnte wegen Platzproblemen beim Aufbau nicht kommen. „Nächstes Jahr starten wir dann vermutlich einen neuen Versuch“, kündigte sie an.

Nach diesem Wochenende spricht vieles dafür, dass der „Spenger Kant“ mehr ist als nur ein neuer Name. Er fühlt sich an wie ein Stadtfest, das Spenge einen frischen Anstrich verpasst – ohne den Charme einer gemütlichen Kirmes zu verlieren.