60 Jahre Handwerk im Salon Wüstenbecker

Von der ersten Dauerwelle in den 60ern über den Vokuhila-Boom der 80er bis hin zu den scharf geschnittenen Flattopper-Frisuren mit Kamm und Wasserwaage – die Familie Wüstenbecker schaut auf 60 Jahre Friseur-Geschichte zurück.

Doch das Herz dieses Salons ist die Familie selbst – wie einst Heinz Wüstenbecker – ein Mann mit Schere, Charme und einem unerschüt-terlichen Lächeln. Doch wie begann diese Erfolgsgeschichte?

Friseur Hüffmann suchte einen Nachfolger, Heinz Wüstenbecker eine Chance. Also packte er 1965 mit seiner Frau Karin den alten Käfer voll und pendelte zwei Jahre lang aus Westorf nach Enger, um dort den Salon zu übernehmen – bis sie sich 1967 ganz in Enger niederließen. Dort, wo heute der Salon steht, war damals ein Milchgeschäft.

Friseurfamilie mit Leib und Seele

Heinz Wüstenbecker war Friseur mit Leib und Seele. Als junger Geselle schnitt er dem späteren Bundeskanzler Gerhard Schröder die Haare. Später kannte er in Enger fast jeden – und jeder kannte ihn. „Herzlich und für jeden ein nettes Wort“, so erinnern sich viele an ihn. Bis zu seinem 80. Geburtstag stand er hinter dem Stuhl, schnitt, plauderte, lachte. Erst als Corona kam, drängte ihn die Familie zum Aufhören – aus Sorge um seine Gesundheit. 2020 verstarb er, und mit ihm ging ein Stück Salon-Geschichte. Was blieb, war sein Sohn Peter, der gemeinsam mit seiner Frau Carola das Geschäft weiterführt:

Eigentlich war Peter Wüstenbecker als Kind gar nicht so interessiert am Friseurhandwerk. Die Polizeiuniform reizte ihn zunächst mehr als der Friseurkittel seines Vaters. Doch das Handwerk ließ ihn nicht los. 1993, mit 23 Jahren, legte er die Meisterprüfung ab und stieg in den Familienbetrieb ein. Zeitweise hatte die Familie drei Salons – zwei in Enger, einen in Nordhorn. In manchen Jahren arbeiteten hier Heinz, Karin, Peter, seine Schwester Gaby und seiner Nichte Ina gemeinsam. 2006 übernahm Peter zusammen mit ihr den Salon. Seit 2011 führt er das Geschäft mit seiner Frau Carola, mit der er zwei Kinder hat.

In 60 Jahren hat sich viel verändert: Früher hingen die Schneidemaschinen von der Decke, heute arbeiten 13 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit modernster Technik.

Fotos: Jana Göb

Mittlerweile gibt es neben dem Damen- und Herrensalon auch ein erweitertes Angebot mit der selbständigen Fußpflegerin Alina. Das neuestes Teammitglied, Friseur Marcel, verstärkt seit März den Salon. Doch bei aller Veränderung bleibt eines gleich: der Familiengeist, die Herzlichkeit, das Gefühl, dass hier nicht nur Haare geschnitten, sondern Handwerk weitergegeben wird.

Und wenn Peter Wüstenbecker eines Tages mit 80 Jahren noch immer hinter dem Stuhl steht – dann würde Heinz sicher verständnisvoll lächeln.

Von Jana Göb