Wer macht in Enger eigentlich alles kaputt?

Foto: Stadt Enger

Zerstörte Scheiben an Bushaltestellen, eine verschmierte Bank und Böllermüll am Radweg: In Enger werden öffentliche Orte beschädigt und verdreckt. Die Stadt hat Anzeige erstattet, eine Anwohnerin fragt, warum Menschen ihre eigene Umgebung so behandeln.

An der Haltestelle auf den Bus warten, beim Spaziergang eine Pause auf der Bank machen, die Abendsonne am Windfeld genießen. Eigentlich ziemlich alltägliche Dinge. Ärgerlich wird es, wenn die Scheiben des Busunterstands zerstört sind, die Sitzfläche verschmiert ist oder unter den Füßen die Böllerreste der vergangenen Abende liegen. In Enger gibt es derzeit gleich mehrere solcher Fälle.

Die Stadt meldet eine Häufung von Vandalismus an Busunterständen. In den vergangenen Wochen wurden an zwei Haltestellen an der Hiddenhauser Straße sowie jeweils an einer Haltestelle an der Hermannstraße, der Kaiserstraße und am Winkelweg Glasscheiben zerstört. Wegen der Häufung hat die Widukindstadt Enger Anzeige gegen Unbekannt erstattet, teilt Marko Ellerbrock vom Fachbereich Stadtplanung, Infrastruktur und Umwelt mit. Zur Schadenshöhe macht die Stadt in ihrer Mitteilung keine Angaben.

Auch am neuen Radweg an der Nordhofstraße bleiben Spuren zurück, über die sich andere ärgern. Susanna Limberg, die mit ihrer Familie in der Nähe wohnt und die Strecke regelmäßig nutzt, berichtet von einer mit Mayonnaise oder Remoulade verschmierten Bank. An einer Kreuzung hätten zudem mindestens eine Woche lang Böllerreste gelegen. Abends und nachts höre sie aus dieser Richtung gelegentlich Geböller.

Dabei ist die Strecke für viele ein beliebter Ort zum Spazierengehen und Durchatmen. Menschen unterschiedlichen Alters nutzen die neuen Bänke, Jugendliche verbringen dort mit ihren E-Rollern die warmen Abendstunden. Wer für die Verschmutzungen verantwortlich ist, ist allerdings nicht bekannt.

Limberg und ihre Tochter haben schließlich selbst angepackt. Mit Mülltüte, Handschuhen, Spülmittel, Wasser und einem Spachtel säuberten sie die Bank und sammelten die Böllerreste ein. Insgesamt kamen bei ihrer Aktion 3,5 Kilogramm Müll zusammen. Gleichzeitig entdeckten sie schon neue Hinterlassenschaften: An einer Laterne waren Arminia-Aufkleber angebracht worden, die abgezogenen Rückseiten lagen auf dem Boden.

Es sind unterschiedliche Vorfälle mit einer gemeinsamen Folge: Die Arbeit und der Ärger bleiben bei anderen hängen. Wer eine Bank beschmutzt, muss sie offenbar nicht selbst reinigen. Wer eine Scheibe zerstört, wartet anschließend vielleicht gar nicht unter dem beschädigten Dach auf den nächsten Bus. Betroffen sind diejenigen, die diese Orte im Alltag brauchen, und diejenigen, die sich um das Aufräumen und die Reparaturen kümmern.

Limberg möchte deshalb, dass darüber gesprochen wird. Sie fragt sich, warum Menschen ihre eigene schöne Umgebung verunstalten und ob Gespräche in den Familien etwas verändern könnten. Die pauschale Erklärung vom „jugendlichen Leichtsinn“ reicht ihr nicht.

Die Stadt hat bei den zerstörten Busunterständen den rechtlichen Schritt gemacht. Am Radweg haben zwei Anwohnerinnen ganz praktisch geholfen. Beides reagiert auf Schäden, die bereits entstanden sind. Die größere Frage bleibt: Wie schafft es Enger, dass die Orte, die allen offenstehen, auch von allen mit etwas mehr Respekt behandelt werden?