
Wie geht es weiter mit der sanierungsbedürftigen Grundschule Enger-Mitte? Diese Frage beschäftigt seit Monaten die Stadtpolitik – und zunehmend auch die Eltern. Nachdem der Stadtrat nun endgültig den Umzugsplänen eine Absage erteilt hat und sich auf den bisherigen Standort an der Poststraße konzentrieren will, sind die Folgen bereits spürbar: Die Anmeldezahlen für das kommende Schuljahr sind stark gesunken.
Eine endlose Debatte – und ihre Folgen
Die Diskussion um die Zukunft der Grundschule Enger-Mitte begann mit der Erkenntnis: Der aktuelle Gebäudebestand ist dringend sanierungsbedürftig. Bereits 2018 wurden erste Maßnahmen zur Erweiterung des Schulgeländes beschlossen, doch wirklich vorangekommen ist seither wenig.
Während die Politik um den Standort rang, verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes zunehmend. Die Mängel an der Grundschule Enger-Mitte sind unübersehbar. In den Sommerferien 2024 lösten sich zwei Quadratmeter Putz von der Decke, Risse durchziehen Wände und Fassaden. Die Heizung ist veraltet und bereitet in den Wintermonaten immer wieder Probleme. Auch die sanitären Anlagen sind in einem schlechten Zustand. Im Verwaltungstrakt bröckelt nicht nur der Putz, sondern auch die Hoffnung, dass sich in absehbarer Zeit etwas ändert.
Hinzu kommt das Platzproblem: Als vierzügige Schule ist Enger-Mitte eine der größten Grundschulen im Kreis Herford, doch die Räumlichkeiten reichen längst nicht mehr aus. Die geplante Erweiterung des Schulgeländes, die bereits 2018 beschlossen wurde, stockt. Zwar wurden angrenzende Flächen, darunter das ehemalige Café Tiemann, gekauft, doch passiert ist seitdem wenig.
Im April 2024 brachten die Grünen die Idee ins Spiel, die Grundschule an einen neuen Standort nahe der ehemaligen Flemming-School hinter der Kita “Traumland” zu verlegen. Argument: Mehr Platz, bessere Lernbedingungen und eine modernere Infrastruktur. Die CDU hingegen hielt von diesem Vorschlag wenig und setzte sich vehement für eine Sanierung und Erweiterung am bisherigen Standort ein.
Zunächst angedachter neuer Standort an der ehemaligen Flemming-School:
Ein Verkehrs-Gutachten brachte schließlich die Entscheidung: Der Standort Flemming-School sei aufgrund verkehrlicher Herausforderungen und hoher Kosten ungeeignet. Der Stadtrat stimmte mehrheitlich gegen die Pläne der Grünen – doch damit war das Thema nicht erledigt.
Eltern verunsichert – Grundschule verliert Schüler
Während sich die Politik weiter stritt, zogen viele Eltern längst ihre eigenen Schlüsse. Die anhaltende Unsicherheit, die schleppenden Entscheidungen und die unklare Zukunft der Schule sorgten dafür, dass sich immer mehr Familien gegen eine Anmeldung in Enger-Mitte entschieden.
Das Ergebnis: Statt der erwarteten 80 Kinder wurden nur 68 angemeldet – zwölf weniger als geplant. Dadurch können nur noch drei statt vier Klassen gebildet werden, was zu größeren Klassen und beengteren Lernbedingungen führt. Gleichzeitig erlebt die Grundschule Oldinghausen/Pödinghausen einen regelrechten Ansturm, obwohl dort aufgrund der begrenzten Kapazitäten nur zwei Klassen gebildet werden können.
Die Situation ist nun paradox: Während in Enger-Mitte Platz wäre, meiden Eltern die Schule aus Unsicherheit. Gleichzeitig platzt Oldinghausen/Pödinghausen aus allen Nähten. Für die Stadtverwaltung bedeutet das, dass jetzt dringend gehandelt werden muss.
Die CDU fordert, nun endlich mit der Sanierung an der Poststraße zu beginnen. Auch die FDP spricht sich dafür aus, die Debatte zu beenden und mit der Umsetzung zu starten. Die Grünen hingegen sind weiterhin skeptisch, ob der aktuelle Standort wirklich die beste Lösung ist und wünschen sich für die SchülerInnen keine Baustelle neben dem laufenden Unterricht. Sie hatten zuletzt noch einmal dafür plädiert, den Standort Flemming-School nicht vorschnell aufzugeben – allerdings ohne Erfolg.

“Der von der CDU weiter geforderte Umbau im Bestand verlängert die Bauphase um 1-2 Jahre und belastet eine weitere Schülergeneration mit Lärm, Umzügen und chaotischen Verkehrsverhältnissen. Das jetzige Schulgebäude ist ein endloses Moloch – Sanierung schafft keine Planungssicherheit, sondern birgt immer neue bauliche Risiken. Das pädagogische Konzept der Schule muss den Neubau bestimmen, nicht Altlasten im Bestand. Die Grünen Enger fordern den totalen Abriss des Gebäudes, Auslagerung der Klassen, Neubau an alter Stelle. Die entscheidende Frage: Was sind uns unsere Schulkinder wert?”
Klaus-Hermann Bunte (Die Grünen)
Die Entscheidung, den Standort an der Poststraße zu erhalten, ist gefallen und es sollen in den kommenden Monaten zwei Szenarien geprüft werden: eine Teilsanierung mit Erweiterungsbauten und ein Gesamtneubau inklusive Turnhalle.
Vor dem ersten Spatenstich müssen also noch zahlreiche Fragen geklärt werden: Soll es einen vollständigen Neubau oder einen Teilneubau geben? Wie können die Bauarbeiten so organisiert werden, dass der Schulbetrieb nicht zu stark beeinträchtigt wird? Wo können SchülerInnen in der Bauphase untergebracht werden? Wie kann man nachhaltige Standarts einhalten? Und nicht zuletzt: Wie viel kostet jede der beiden Optionen und wie wird das Projekt finanziert?

„Die Standortfrage ist jetzt entschieden – und das ist gut so. Jetzt muss es darum gehen, schnell und pragmatisch zu handeln, damit die Kinder und Lehrkräfte in Enger-Mitte zeitnah bessere Bedingungen erhalten und auch Ruhe einkehren kann. Ein Neubau am Stadtrand hätte nicht nur enorme Mehrkosten verursacht, sondern auch längere und unsicherere Schulwege für viele Kinder bedeutet. Die Lösung an der Poststraße ist effizient, wirtschaftlich und entspricht dem bewährten Prinzip ‚kurze Beine, kurze Wege‘. Die CDU Enger steht für eine sachliche und zukunftsorientierte Bildungspolitik – und dazu gehört, dass wir keine Zeit mehr verlieren wollen.“
Stefan Böske, CDU
Wie geht es weiter?
Für die Eltern und Kinder bedeutet die aktuelle Entwicklung vor allem eins: größere Klassen an zwei Schulstandorten und weiterhin Unsicherheit, wann mit einer Sanierung begonnen wird. “So eine Planung ist nicht in einem halben Jahr auf die Beine gestellt. Es wird einige Zeit in Anspruch nehmen”, erklärt Jens Stellbrink, zuständiger Fachbereichsleiter. Vor 2026 wird wohl nicht mit einer fertigen Prüfung der beiden Optionen zu rechnen sein.
Von Jana Göb