
Eine Investition in die Sicherheit
Die Entscheidung ist gefallen: Die Freiwillige Feuerwehr der Widukindstadt Enger erhält eine neue Drehleiter mit Korb. Nach intensiven Diskussionen und einem anfänglichen Beratungsbedarf im Ausschuss wurde die Beschlussvorlage nun einstimmig vom Rat angenommen. Die Kosten von rund 1,2 Millionen Euro werden nicht allein von Enger getragen – gemäß einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung übernimmt die Stadt Spenge 40 % der Summe, da die Drehleiter auch dort regelmäßig im Einsatz ist.
Ein alter Leiterwagen mit wachsenden Problemen
Die aktuelle Drehleiter DLK 23/12 ist seit dem Jahr 2000 im Einsatz. Feuerwehrmann Jens Meyer machte bereits in der Ausschusssitzung am 13. März deutlich, dass sich die Wartungsaufwände in den letzten Jahren erheblich gesteigert haben. Die Joysticks der Steuerung zeigten seit eineinhalb Jahren wiederkehrende Fehler, das Fahrgestell hatte Probleme mit der ABS-Bremsanlage, und die Karosserie wies zunehmende Roststellen auf.
„Das Fahrzeug ist zwar noch einsatzbereit, aber der Aufwand, es in diesem Zustand zu halten, ist hoch“, erklärte Meyer. Besonders bei längeren Einsätzen habe es bereits technische Schwierigkeiten gegeben. Eine Begutachtung durch eine Fachfirma ergab, dass die Drehleiter spätestens zur nächsten Inspektion im Jahr 2030 ausgetauscht werden sollte – doch aufgrund der langen Lieferzeiten musste die Ausschreibung schon jetzt auf den Weg gebracht werden.
Die Kostenfrage
Die geschätzten Kosten von 1,2 Millionen Euro wurden im Ausschuss für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Soziales diskutiert. Während die SPD die Anschaffung als längst überfällig betrachtete, meldete die CDU Beratungsbedarf an. CDU-Vertreter Stefan Böske begründete dies mit der hohen finanziellen Belastung: „Wenn es ein Fahrzeug für 300.000 Euro wäre – aber 1,2 Millionen ist bei der aktuellen Haushaltslage einfach schwierig.“ Zudem stellte er infrage, warum Spenge nur 40 % der Kosten übernehme und nicht 50 %.
Arndt Höpker von der Feuerwehr erklärte: „Enger fährt deutlich mehr Einsätze und hat eine höhere Einwohnerzahl. Das entspricht genau der vertraglichen Vereinbarung von 60 % zu 40 %.“ Eine Veräußerung des alten Fahrzeugs werde nur rund 35.000 Euro einbringen – ein ähnlicher Verkauf in Bad Rothenfelde bestätige diese Schätzung.
Die FDP zeigte sich ähnlich unentschlossen wie die CDU, während die Grünen Verständnis für den hohen Betrag äußerten, jedoch betonten, dass man „so viel Geld nicht einfach so raushaut“.
Der Ratsbeschluss: Einstimmige Zustimmung nach Beratung
Am 27. März fiel die endgültige Entscheidung. Nach ausführlicher interner Beratung stimmten auch die CDU und die FDP der Beschlussvorlage zu. „Der Beratungsbedarf wurde dargestellt, als stünde die CDU nicht vollkommen hinter der Feuerwehr Enger – das ist nicht der Fall“, stellte Stefan Böske klar. „Die Ausstattung der Feuerwehr hat für uns höchste Priorität, doch die ursprüngliche Beschlussvorlage war nicht aussagekräftig genug. Heute können wir nach ausführlicher Beratung aus voller Überzeugung zustimmen.“
Guido Libuda-Franke von der SPD, selbst 35 Jahre Feuerwehrmann, untermauerte die Notwendigkeit der Neuanschaffung mit Einsatzzahlen: Seit ihrer Indienststellung im Jahr 2000 habe die aktuelle Drehleiter 1.089 Einsätze absolviert – 662 in Enger und 427 in Spenge. Für das Jahr 2024 seien es bisher 85 Einsätze, davon 58 % in Enger und 42 % in Spenge.
Besonders betonte er die zunehmende Bedeutung der Drehleiter für patientenorientierte Rettungseinsätze: „Wenn Patienten aus oberen Stockwerken transportiert werden müssen, weil der Weg durchs Treppenhaus nicht möglich ist, spielt die Drehleiter eine zentrale Rolle.“
Lieferung in zwei Jahren erwartet
Mit der Entscheidung des Rats kann die Verwaltung nun die Ausschreibung starten. Aufgrund der langen Produktionszeiten wird die neue Drehleiter jedoch erst in etwa zwei Jahren in Enger eintreffen. Bis dahin bleibt das alte Fahrzeug weiterhin im Einsatz – mit steigenden Wartungskosten.
Dennoch ist die Erleichterung groß: Die Feuerwehr Enger kann sich auf moderne Technik verlassen, die den wachsenden Anforderungen gerecht wird. Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger bleibt gewährleistet – ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Feuerwehr in der Widukindstadt.
Von Jana Göb