
Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Vor allem für das Ehrenamt. Die Ruth und Willi Biermann-Stiftung blickt in diesem Jahr auf genau diesen Zeitraum zurück. Gegründet im Dezember 2005, ist sie heute fester Bestandteil des sozialen Lebens in Enger und im Kreis Herford.
Der Stiftungszweck ist klar definiert: Unterstützung für krebskranke Kinder sowie für Menschen mit Demenz und ihr Umfeld. Zwei Felder, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, im Alltag aber ähnliche Herausforderungen mit sich bringen. „Uns war wichtig, dort zu helfen, wo Unterstützung nicht nur kurzfristig wirkt“, sagt Willi Biermann. Gemeinsam mit seiner Frau Ruth gründete er die Stiftung, nachdem beide verschiedene Einrichtungen besucht hatten. „Wir wollten Möglichkeiten für Betroffene schaffen, die aus öffentlichen Kassen so nicht finanziert werden können.“ Im Mittelpunkt stand dabei immer der Wunsch, Familien in belastenden Situationen etwas zurückzugeben – „Mut, Kraft und Spaß – auch ein Stück Normalität“, wie Biermann es beschreibt.
Von Anfang an wurde die Stiftung als Ertragsstiftung konzipiert. Das Grundkapital bleibt erhalten, gefördert werden Projekte ausschließlich aus den erwirtschafteten Erträgen und aus Spenden. Der Gedanke dahinter ist bis heute leitend: „Bedürftigen helfen heißt nicht schenken, sondern säen.“
Aus dem ursprünglichen Stiftungskapital von 100.000 Euro ist inzwischen ein siebenstelliges Vermögen geworden. Rund 60.000 Euro fließen jährlich in Förderprojekte, insgesamt wurden seit 2005 etwa 750.000 Euro für den Stiftungszweck eingesetzt. „Jeder Euro muss dort ankommen, wo er gebraucht wird“, betont der heutige Vorstandsvorsitzende Klaus Rieke. Vorstand und Kuratorium arbeiten ehrenamtlich.
Gefördert werden keine Einzelpersonen, sondern Einrichtungen und konkrete Projekte. Zu den langjährigen Förderpartnern zählen unter anderem die Alzheimer-Beratungsstelle Enger, das Kinderhaus Bad Oeynhausen, die Kinderkrebsklinik in Bethel und das Krankenhaus Enger. Insgesamt rund 16 Einrichtungen wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten unterstützt – teils punktuell, teils über viele Jahre hinweg.
Dabei geht es nicht um pauschale Zuschüsse, sondern um sehr konkrete Maßnahmen: die Ausstattung von Behandlungsräumen, therapeutische Angebote, Musik- und Bewegungsprojekte, tiergestützte Therapien oder altersgerechte Gestaltung von Wohn- und Aufenthaltsbereichen. Michael Grosskurth vom Kinderhaus Bad Oexen nennt Beispiele, die dort bis heute sichtbar sind: ein zehn Meter langes Piratenschiff, Therapiepferde, ein EDV-Raum oder erlebnispädagogische Angebote. „Diese Möglichkeiten verändern den Alltag der Kinder spürbar“, sagt er.
Ein besonderer Schwerpunkt der Stiftung liegt seit vielen Jahren auf der Arbeit mit und für Menschen mit Demenz. Die Alzheimer-Beratungsstelle Enger konnte mit Unterstützung der Stiftung niedrigschwellige Beratungsangebote aufbauen, Demenzlotsen-Projekte etablieren, Netzwerke im Kreis Herford stärken und öffentliche Veranstaltungen sowie Fachtagungen umsetzen.
Aus dieser Arbeit entstanden auch überregionale Initiativen. Projekte wie „Wir sind Nachbarn – Demenz berührt mit vielen Gesichtern“ oder „Move for Dementia“ wurden später bundesweit aufgegriffen. Ziel sei es dabei immer gewesen, Menschen mit Demenz nicht aus dem Alltag herauszulösen, sondern sie als Teil des gesellschaftlichen Lebens sichtbar zu halten.
Auch im medizinischen Bereich zeigt sich die Förderung ganz praktisch. In der geriatrischen Fachklinik in Enger konnten etwa Funktrittmatten angeschafft werden, die Pflegekräfte informieren, wenn Patientinnen oder Patienten mit Demenz ihr Zimmer oder die Station verlassen. „Zusätzlich haben wir Therapiebeete im Außengelände eingerichtet“, berichtet Matthias-Christopher Straede. Sie ermöglichen sinnhaftes Tun – und wecken Erinnerungen.
Zum 20-jährigen Bestehen stand kein großer Rückblick im Mittelpunkt, sondern die Frage nach der Zukunft. „Wir wollten keine einmaligen Effekte, sondern Strukturen schaffen, die tragen“, sagt Vorstandsmitglied Thomas Meyer. Der sogenannte Ewigkeitsgedanke, also langfristiges Wirken über Generationen hinweg, prägt die Arbeit der Stiftung bis heute.
von Jana Göb
