Mega-Akku für Oldinghausen – Chance für Enger oder neues Streitthema?

Ein Projekt, das auf den ersten Blick technisch klingt, könnte für Enger weitreichende Bedeutung bekommen: Im Ausschuss für Stadtplanung, Infrastruktur und Umwelt hat die Firma Electric Land jetzt ihre Pläne für einen großflächigen Batteriespeicher in Oldinghausen vorgestellt. Und auch wenn noch nichts entschieden ist, zeigt die Diskussion bereits, wie sehr das Thema Energiewende inzwischen vor Ort angekommen ist.

Geplant ist eine Anlage, die aus 264 Containern bestehen soll. In ihnen würden tausende Lithium-Ionen-Batterien verbaut, die – angeschlossen an das Hochspannungsnetz – bis zu 200 Megawattstunden Strom speichern können. Die Idee dahinter ist einfach: Strom aus Wind- und Solaranlagen fällt nicht gleichmäßig an. Ein Batteriespeicher kann Überschüsse aufnehmen und dann wieder abgeben, wenn Energie gebraucht wird. So soll das Stromnetz stabilisiert und erneuerbare Energie besser nutzbar gemacht werden.

Doch so konkret die technischen Eckdaten klingen, das Projekt selbst steckt noch in einer sehr frühen Phase. Einen Bauantrag gibt es nicht, auch keine finalen Planungen. Vielmehr gehe es der Firma Electric Land aktuell darum, zunächst auszuloten, wie ein solches Vorhaben in der Stadt aufgenommen wird. Es ist also eher ein vorsichtiges Abtasten als ein fertiger Bauplan.

Der geplante Standort sorgt dabei für besondere Aufmerksamkeit: Die Anlage könnte auf dem Gelände einer ehemaligen Mülldeponie an der Apfelstraße entstehen. Eine Fläche, die bislang kaum genutzt wird und durch das Projekt eine neue Funktion erhalten würde ohne zusätzliche unberührte Flächen zu beanspruchen.

Im Ausschuss wurde deutlich, dass die Fraktionen das Thema grundsätzlich ernst nehmen und durchaus Chancen sehen. Die SPD zeigte sich offen gegenüber der Energiewende und neuen Technologien. Harald Wurm von den Grünen betonte, dass Projekte wie dieses notwendig seien, um die Energiewende tatsächlich voranzubringen und Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Gleichzeitig gab es auch mahnende Stimmen. Norbert Busch von der FDP machte deutlich, dass ein Projekt dieser Größenordnung nur dann eine Zukunft habe, wenn die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig eingebunden werden. Transparenz und Akzeptanz vor Ort seien entscheidend.

Auch aus den Reihen der CDU kam Unterstützung – zumindest für den Standortgedanken. Jochen Höhner sieht in dem Vorhaben eine Chance, die bisherige Deponiefläche sinnvoll weiterzuentwickeln und ihr eine neue Nutzung zu geben.

Bild: Electric Land

Seitens des Unternehmens bemühte man sich, mögliche Sorgen zu entkräften. Die Anlage solle so gestaltet werden, dass sie sich möglichst unauffällig in die Umgebung einfügt. „Man wird vermutlich von der Anlage nichts sehen“, erklärte Arndt Alferink von Electric Land im Ausschuss. Zudem seien aktuell keine Erweiterungen über das vorgestellte Projekt hinaus geplant.

Was allerdings bleibt, sind die offenen Fragen: Wie wird sich die Anlage konkret auf das Umfeld auswirken? Wie laut ist sie tatsächlich? Und wie wird die Fläche am Ende aussehen? Antworten darauf wird es erst im weiteren Planungsverlauf geben, sollte das Projekt überhaupt weiterverfolgt werden.

Denn genau das ist der aktuelle Stand: Noch ist nichts entschieden. Die Präsentation im Ausschuss war ein erster Schritt, nicht mehr. Ob aus der Idee ein konkretes Bauprojekt wird, hängt nun nicht nur von politischen Beschlüssen ab, sondern auch davon, wie die Menschen in Enger das Vorhaben bewerten.

Eines zeigt die Diskussion aber schon jetzt deutlich: Die Energiewende ist kein abstraktes Thema mehr. Sie findet vor Ort statt – sichtbar, diskutiert und manchmal auch kontrovers.