Happy Birthday, Bienen!

Die Bienen feiern Geburtstag: Imker Norbert Aschoff (hinten, 3. v. l.), die stellvertretende Schulleiterin Inge Oltmanns (hinten, 2. v. l.), Imker und Grundschulkinder dürfen sich seit 10 Jahren professionelle Bienenfreunde nennen, denn die Bienen-AG an der Grundschule Westerenger wird 10 Jahr alt. (Foto: Jana Göb)

Freitags wird an der Grundschule Westerenger nicht nur gerechnet, gelesen und geschrieben. Dann wird auch geschaut, ob die Königin da ist, wie es dem Volk geht und ob am Ende vielleicht wieder ein paar Gläser Honig herausspringen.

Seit zehn Jahren gibt es an der Schule die Bienen-AG. Und die Geschichte dahinter ist fast so logisch wie schön: Direkt nebenan sitzt der Imkerverein Enger-Spenge. Die Fachleute waren also da, die Kinder auch und die Bienen sowieso. Es brauchte nur noch jemanden, der die Sache ins Rollen brachte.

Dieser Jemand war Norbert Aschoff. Der Imker hatte vor zehn Jahren die Idee, Kindern nicht nur aus dem Sachkundebuch zu erklären, warum Bienen wichtig sind. Sie sollten es selbst sehen. Mit Schutzkleidung, Waben in der Hand und möglichst ohne hektisches Herumwedeln. 2016 startete die AG. Seitdem begleitet Aschoff Dritt- und Viertklässler durch das Bienenjahr. Heute leitet er die Gruppe gemeinsam mit Lehrerin Ina Meyer und Bienenpädagogin Anke Scholz.

Jeden Freitag wird aus dem Schulhof ein kleiner Lernort mit Flügeln. Die Kinder erfahren, wie ein Bienenvolk organisiert ist, wer im Stock eigentlich was zu sagen hat und warum dort erstaunlich wenig Chaos herrscht, obwohl ständig Tausende durcheinanderfliegen.

Dabei bleibt es nicht bei Theorie. Die Kinder schauen in die Beuten, beobachten die Tiere und lernen, was Imkerinnen und Imker über das Jahr hinweg zu tun haben. Ganz nebenbei merken sie, dass Honig nicht einfach im Supermarkt entsteht und Bienen deutlich mehr können, als im Sommer am Kuchenbuffet für leichte Unruhe zu sorgen.

Der Höhepunkt ist jedes Jahr die Honigernte. Dann werden die Waben entdeckelt, geschleudert und der Honig in Gläser abgefüllt. Für die Kinder ist das der Moment, in dem aus vielen Freitagen plötzlich etwas Greifbares wird.

Verkauft wird der schuleigene Honig bei Festen und im Sekretariat. Der Erlös geht an den Förderverein. Gleichzeitig ist er so etwas wie das flüssige Aushängeschild der Schule geworden. Denn die Biene gehört inzwischen fest zu Westerenger. Sie ist nicht nur Thema der AG, sondern auch Maskottchen der Grundschule und sogar auf den neuen Schulpullovern zu sehen. Andere Schulen haben Wappen. Westerenger hat eine Biene.

Die stellvertretende Schulleiterin Inge Oltmanns spricht von einer großen Bereicherung für den Schulalltag. Die Kinder lernten nicht nur viel über Natur und Umwelt, sondern dürften auch selbst ausprobieren, beobachten und Verantwortung übernehmen. Möglich ist das nur durch ehrenamtlichen Einsatz. Ohne Norbert Aschoff und die Unterstützung des Imkervereins gäbe es zwar weiterhin Sachkundeunterricht, aber vermutlich deutlich weniger Honiggläser und erheblich weniger summende Freitage.

Zum zehnjährigen Bestehen bekam die AG nun noch einmal ordentlich Rückenwind. Bei der Sparkassen-Aktion „Meine Stimme für Ihr Projekt“ erhielt sie 5.000 Euro.

Mit dem Geld sollen rund um die Schule ein frei zugänglicher Wildbienen-Lehrpfad und ein Wildbienenhotel auf dem Schulhof entstehen. Künftig können also nicht nur die Kinder der AG, sondern auch Familien und Spaziergänger erfahren, wer da eigentlich alles durch Westerengens Gärten summt.

Aus einer naheliegenden Idee ist so längst eine kleine Institution geworden. Und während anderswo noch über modernen Unterricht diskutiert wird, tragen die Kinder in Westerenger Schutzanzüge, schleudern Honig und lernen nebenbei, warum ohne Bienen ziemlich viel fehlen würde.