
Eine warme Mittagssonne liegt über den Feldern von Besenkamp, der Boden noch kühl, die Luft klar. Zwischen jungen Halmen und ersten grünen Spitzen stehen an diesem Tag Menschen, die genau hinschauen: Rund 15 Landwirte aus Enger und Spenge sind zur gemeinsamen Feldbegehung gekommen – ein Termin, der jedes Jahr stattfindet.
Gastgeber ist Landwirt Jochen Höner. Auf seinen Flächen wächst das, worum es heute geht: Wintergerste, Weizen und – noch ganz am Anfang – Zuckerrüben. Mit dabei ist auch Dirk Höke von der Landwirtschaftskammer NRW. Einer, der nicht lange um den heißen Brei redet, sondern lieber direkt ins Feld geht, eine Pflanze aus der Erde zieht und sie prüfend zwischen den Fingern dreht.
„Die Aussaatbedingungen im Herbst waren optimal“, sagt Höke. Ein guter Start also. Und auch der Winter hat offenbar mitgespielt: „Die längere Frostphase hat den Pflanzen gutgetan und gleichzeitig die Schädlingspopulation reduziert.“ Ein Satz, der alle erstmal beruhigt.
Doch wer hier unterwegs ist, weiß: Das ist nur die halbe Wahrheit. „Jetzt kommen die entscheidenden zwei Monate“, sagt Höner und schaut über sein Feld. „Was wir der Pflanze jetzt nicht mitgeben, kann später nicht mehr nachgeholt werden.“
Zwischen den Reihen wird diskutiert, genickt, nachgehakt. Ein Thema: das Getreidehähnchen, ein kleiner, bläulich schimmernder Käfer, der vereinzelt gesichtet wurde. Klingt erstmal unscheinbar, sorgt aber trotzdem für Aufmerksamkeit. Höke bleibt gelassen: „Beim Hafer kann er problematisch werden, aber hier ist das aktuell kein großes Thema.“ Wichtiger sei ohnehin etwas anderes: „Nicht der Schädling selbst ist oft das Problem, sondern die Viren, die er übertragen kann.“
Ein paar Schritte weiter: Weizen. Kräftig, ordentlich gewachsen, insgesamt ein gutes Bild. „Die Pflanzen stehen stabil, die Infektionsrate ist aktuell niedrig“, sagt Höke. Ganz ohne Baustellen geht es trotzdem nicht. Zwischen den Halmen zeigt sich hier und da Ackerfuchsschwanz. Ein Ungras, das sich nicht so leicht verdrängen lässt. „Da muss man früh gegensteuern“, erklärt Höke und gibt direkt ein paar praktische Hinweise.
Und dann ist da noch ein Thema, das fast immer mitschwingt: die Düngung. Wann, wie viel, womit – Fragen, die nicht nur fachlich, sondern längst auch wirtschaftlich sind. „Die Kosten für Dünger sind deutlich gestiegen zusätzlich zu dem enormen Dieselpreis“, sagt Höke. Viele Betriebe zehren aktuell noch von früheren Einkäufen. Aber der Blick geht nach vorne: „Ich bin gespannt, wie sich die Situation im Herbst darstellt.“
Zum Abschluss führt Höner die Gruppe zu den Zuckerrüben. Noch sind es nur kleine grüne Spitzen, die sich vorsichtig durch die Erde schieben. Unspektakulär – und genau deshalb so entscheidend. Denn hier beginnt etwas, das erst Monate später sichtbar wird.
Verlässliche Prognosen wagt an diesem Morgen niemand. Dafür ist es zu früh, zu abhängig von Wetter, Markt und allem, was dazwischen liegt. Was bleibt, ist ein gemeinsamer Blick auf den aktuellen Stand und das Gefühl, dass jetzt die Phase beginnt, in der aus guten Bedingungen auch wirklich etwas wachsen muss.
