
Keiner saß still – und genau das war der Plan
Wer am vergangenen Sonntag das Dachgeschoss des Widukind-Museum betrat, merkte sofort: Das hier wird kein Konzert zum Stillsitzen. Und es wurde auch keines. Statt Stuhlreihen warteten auf die Kinder Matten auf dem Boden, Kissen, kleine Sitze und jede Menge Bewegungsraum. Ein Setting, das eher an eine Turnhalle mit Wohnzimmergefühl erinnerte – und sich als perfekter Rahmen für das erste Familienkonzert dieser Art im Curzweyl-Cabinett erwies.
Zu Gast war das Berliner Duo A Bunch of Loops – und das Haus war voll. Kinder jeden Alters, Eltern, Großeltern, Geschwister: Kaum ein freier Platz, aber erstaunlich viel Ruhe. Zumindest so lange, bis die ersten Beats durch den Raum schwappten.
Dann wurde getanzt. Geklatscht. Gehüpft. Manche Kinder legten sich zwischendurch einfach auf die Matten und hörten zu, andere bewegten sich ununterbrochen. Niemand musste still sein, niemand wurde ermahnt. Genau das machte den Vormittag so besonders: Jedes Kind durfte das Konzert auf seine eigene Art erleben.
Musikalisch war alles dabei, was neugierig macht. Das Didgeridoo traf auf Blechbläser – mal klang es nach Posaune, mal nach Trompete. Rap-Elemente mischten sich mit elektronischen Loops, plötzlich tauchte ein Motiv aus den Flintstones auf, nur um gleich darauf wieder in rhythmischen Beats zu verschwinden. Lukas und Tayfun spielten mitten im Raum, nicht auf einer Bühne, reagierten auf Bewegungen, Geräusche, Stimmungen. Und waren dabei immer im Austausch mit den Kindern. Musik entstand live, Schicht für Schicht, mit Hilfe einer Loopstation – und wuchs mit der Energie der Kinder.
Dass zwischendurch niemandem langweilig wurde, lag nicht nur an der Musik, sondern auch an der durchdachten Vorbereitung: Bewegungselemente, Sitzmöglichkeiten, Rückzugsorte. Wer wollte, machte mit. Wer eine Pause brauchte, bekam sie. Ein Konzert, das sich an Kinder anpasste – nicht umgekehrt.
Am Ende blieb das Gefühl: Das war mehr als ein Experiment. Das war ein voller Erfolg. Die Begeisterung im Raum, das volle Haus und die entspannte Stimmung sprechen eine klare Sprache. Dieses Familienkonzert wird ziemlich sicher nicht das letzte seiner Art gewesen sein. Und wenn Kultur so klingen, aussehen und sich anfühlen darf – dann darf sie gern öfter am Boden liegen, tanzen, lachen und einfach passieren.
