Erinnern in der Charlottenburg: Ausstellung zur NS-Euthanasie in Spenge

Foto: Charlottenburg Spenge

Mitten in Spenge, in der Charlottenburg, zieht ab Ende Januar eine Ausstellung ein, die lange nachwirkt: „JOHANN WEWER – ABGEMUSTERT“ erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen sogenannten Euthanasie-Verbrechen und rückt ein Kapitel deutscher Geschichte in den Fokus, das bis heute oft am Rand erzählt wird.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Leben von Johann Wewer. Sein Schicksal steht stellvertretend für hunderttausende Menschen mit Behinderungen, die im Nationalsozialismus systematisch ausgegrenzt, entrechtet und ermordet wurden. Die Ausstellung zeigt, wie früh diese Aussonderung begann – lange bevor Transporte und Tötungsanstalten folgten. Dokumente, Texte und historische Einordnungen machen deutlich, dass der Weg in die Gewalt nicht plötzlich, sondern schrittweise verlief.

Konzipiert wurde die Ausstellung von der Johann Wewer Gesellschaft e.V.. Besonders ist dabei der Ansatz: Menschen mit Behinderungen sind aktiv an der Erinnerungsarbeit beteiligt. Die Ausstellung bleibt nicht im Historischen stehen, sondern stellt immer wieder die Verbindung zur Gegenwart her – zu Fragen von Teilhabe, Wertvorstellungen und dem Umgang mit vermeintlicher „Nützlichkeit“ in unserer Gesellschaft.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Rolle von Propaganda im Nationalsozialismus. Thematisiert wird unter anderem der Spielfilm Ich klage an von Wolfgang Liebeneiner, der 1941 gezielt zur ideologischen Rechtfertigung der Krankenmorde eingesetzt wurde. Die Ausstellung ordnet den Film kritisch ein und zeigt, wie Bilder und Geschichten genutzt wurden, um moralische Grenzen zu verschieben und gesellschaftliche Zustimmung zu erzeugen.

„JOHANN WEWER – ABGEMUSTERT“ ist keine Ausstellung, die belehrt. Sie lädt ein, hinzusehen – und weiterzudenken. Gerade in einer Kleinstadt, in der Geschichte oft greifbar nah ist, entfaltet sie ihre besondere Wirkung. Sie erinnert daran, dass Menschenwürde kein abstrakter Begriff ist, sondern immer konkret – damals wie heute.

Die Ausstellung ist ab dem 27. Januar 2026 für 14 Tage in der Charlottenburg Spenge zu sehen und richtet sich an alle, die sich mit Geschichte auseinandersetzen wollen – nicht aus Pflicht, sondern aus Verantwortung.