
Mit dieser Wendung hatte am Freitagabend auf der Jahreshauptversammlung der SPD Enger kaum jemand gerechnet. Eigentlich standen turnusgemäß die Wahlen zum Parteivorsitz auf der Tagesordnung – und eigentlich wollte sich die bisherige Vorsitzende Sarah Karczewski erneut zur Wahl stellen. Noch während der Jahreshauptversammlung erklärte die 33-jährige Ratsfrau ihren sofortigen Rücktritt vom Parteivorsitz.
„Die Entscheidung habe ich kurzfristig getroffen“, sagte Karczewski. Auslöser sei ein Vertrauensverlust hinter den Kulissen gewesen. Ein parteiinterner Streit, betont sie. Nichts, das die SPD Enger insgesamt betreffe, sondern einzelne Personen.
Der Vorfall habe sich am Mittwochabend ereignet. Danach sei sie so erschüttert gewesen, dass sie sich zu diesem Schritt entschlossen habe. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht“, sagt sie. Geplant gewesen sei der Rücktritt jedenfalls nicht.
Ganz aus der Politik verabschiedet sich Karczewski jedoch nicht. Ihr Mandat im Rat der Stadt Enger will sie weiterhin ausüben. „Die Bürgerinnen und Bürger können ja nichts dafür“, sagt sie. Kommunalpolitik mache ihr nach wie vor Spaß.
Auch der SPD will sie „zunächst“ treu bleiben. „Es geht am Ende um die Partei“, erklärt Karczewski. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass sie interne Konflikte nicht weiter mittragen möchte. „Solche Spielchen möchte ich nicht mitspielen. Ich will Politik machen und im Ortsverein gestalten.“
Bis auf Weiteres übernimmt ihre Mutter Annette als stellvertretende Vorsitzende kommissarisch die Leitung des Ortsvereins. Sie führt die SPD Enger vorübergehend weiter, bis Neuwahlen stattfinden. Wer künftig den Vorsitz übernehmen könnte, ist derzeit offen.
Der Rücktritt trifft die SPD in einer ohnehin angespannten Phase. Erst bei der vergangenen Kommunalwahl verlor die Partei das Bürgermeisteramt nach rund fünf Jahrzehnten. Zudem verliert der Ortsverein mit Karczewski eine junge weibliche Politikerin unter 35 Jahren in einer Führungsrolle.
Fraktionsvorsitzender Guido Libuda-Franke reagierte pragmatisch auf die Entwicklung. „Das ist ihre persönliche Entscheidung“, sagte er. Nun müsse sich die Partei sortieren. Gespräche würden folgen. Am Ende könne die Situation auch eine Chance sein: „Wir werden uns vernünftig neu aufstellen.“
Der überraschende Rücktritt von Sarah Karczewski ist mehr als nur eine Personalentscheidung. Für die SPD Enger bedeutet er einen weiteren Einschnitt in einer ohnehin schwierigen Phase. Gleichzeitig eröffnet die Situation auch die Chance für einen Neustart im Ortsverein. Wie dieser aussehen wird – und wer künftig Verantwortung übernimmt – wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Klar ist nur: Die Partei steht vor einer wichtigen Phase der Neuorientierung.
