Timpkenfest in Enger: Wenn es auf dem Altar dampft und rappelt

An den Ausgängen der Kirche stehen Landrat Mirco Schmidt, Bürgermeister Stefan Böske und Bundestagsabgeordneter Joachim Ebmeyer – und verteilen Timpken. (Foto: Jana Göb)

Es riecht nach frischem Brot, Kinder rutschen auf den Kirchenbänken nach vorne – und auf dem Altar dampft es. Kein gewöhnlicher Vormittag in der Stiftskirche, sondern Timpkenfest. Ein Tag, an dem Geschichte nicht in Büchern steht, sondern gespielt, erzählt und geteilt wird.

Schon vor Beginn ist klar: Heute gehört die Kirche den Kindern. Alle Engeraner Kindergärten sind da, dazu die OGS der Grundschulen. Die Bänke sind voll, die Stimmung erstaunlich locker für einen Gottesdienst. Es wird geflüstert, gelacht, gezeigt – und aufmerksam nach vorne geschaut. Denn dort steht sie: eine Zeitmaschine. Ausgerechnet auf dem Altar. Sie knarrzt, zischt und stößt kleine Dampfwolken aus.

Pfarrer Stefan Horstkotte steigt immer wieder ein und nimmt die Kinder mit auf eine Reise durch die Zeit. Zurück zu Widukind, zu den Heiligen Drei Königen, mitten hinein in die Geschichte Engers. Geschichte zum Anfassen, zum Mitdenken – und zum Staunen. Als Widukind steht Matthias Rasche vor dem Altar, ernst, präsent und doch nahbar.

Ein besonderer Moment: die Entsendung der Sternensinger. Kleine Kronen, große Bedeutung. „Wir gehen als Sternensinger los, weil wir anderen Kindern helfen wollen – und weil Teilen einfach dazugehört“, sagt eines der Kinder ins Mikrofon. Viel mehr Erklärung braucht dieser Vormittag eigentlich nicht.

Nach dem Gottesdienst wird es praktisch: An den Ausgängen der Kirche stehen Landrat Mirco Schmidt, Bürgermeister Stefan Böske und Bundestagsabgeordneter Joachim Ebmeyer – und verteilen Timpken. Süße, aus weißem Mehl gebackene Brötchen, in Stücke geteilt. Hände greifen zu, Beutel füllen sich, hier und da verschwindet ein Timpken direkt im Mund.

Der Brauch geht weit zurück: Der Überlieferung nach hatte Widukind selbst angeordnet, anlässlich seines Todestages Bedürftige zu beschenken. Was früher Not lindern sollte, ist heute vor allem eins: Teilen ohne große Worte.

Lotta und Jonathan Ritter freuen sich am Wochenende als Sternensinger durch Enger zu ziehen. (Foto: Jana Gob)