
Kirchengemeinde und Widukindstadt laden zum Timpkenfest ein
Weiße, süße Brötchen, jahrhundertealte Traditionen und ein Blick in die Baugeschichte der eigenen Kirche: Am Dienstag wird es in Enger nicht nur feierlich, sondern auch genussvoll und erkenntnisreich. In der Stiftskirche wird das Timpkenfest gefeiert. Der 6. Januar ist weltweit als Dreikönigstag bekannt, an dem Spenden für Kinderhilfsprojekte gesammelt werden. In der Widukindstadt Enger jedoch steht eine ganz eigene Tradition im Mittelpunkt: das Timpkenfest. Der Überlieferung nach soll der Sachsenherzog Widukind selbst angeordnet haben, anlässlich seines Todestages alljährlich Timpken an hilfsbedürftige Menschen und Kinder zu verteilen.
Die Timpken – süße, aus weißem Mehl gebackene Brötchen, in Stücke geteilt – werden bis heute nach dem Gottesdienst an alle Besucher verteilt. Der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr in der Stiftskirche und wird mit einem kleinen Anspiel gestaltet. „Das Timpkenfest ist ein einzigartiger und sehr schöner Brauch, der in der Widukindstadt Enger liebevoll gepflegt wird“, sagt Bürgermeister Stefan Böske. Sein praktischer Tipp für alle Besucher: „Unbedingt einen Beutel mitbringen, um sich Timpken für Zuhause einpacken zu können.“
Nach Gottesdienst und Timpkenverteilung geht es geschichtlich weiter: Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde und die Widukindstadt Enger laden zu einem geschichtswissenschaftlichen Vortrag ins Gemeindehaus ein. Unter dem Titel „Komm, wir bauen eine Kirche – Kirchenbau im Mittelalter“ nimmt der Herforder Kirchenbauhistoriker Mathias Polster die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Baugeschichte sakraler Gebäude.
Die Anfänge der Engeraner Stiftskirche reichen bis in die frühe Siedlungszeit zurück. Über Generationen hinweg war sie ein vertrauter Anblick – und doch ist das heutige Erscheinungsbild das Ergebnis zahlreicher Um- und Neubauten. Romanik und Gotik, Rück- und Anbauten, bauliche Veränderungen aus Glauben und Wissenschaft: Wer genau hinschaut, kann diese Spuren noch heute entdecken. Mathias Polster versteht es, Gebäude „zum Sprechen zu bringen“ – und ermöglicht damit einen neuen Blick auf die altvertraute Kirche mitten in Enger.
Der Eintritt zum Vortrag ist kostenlos.
