
Wenn man über Sicherheit in einer Stadt wie Enger spricht, dann geht es selten um Blaulicht und Sirenen allein, sondern meist um Menschen, die präsent sind, zuhören, vermitteln und im Zweifel auch klare Grenzen setzen. Genau diese Rolle haben die Bezirksbeamten im vergangenen Jahr einmal mehr ausgefüllt, und das mit einer Selbstverständlichkeit, die man leicht übersieht, solange sie funktioniert. Beim gemeinsamen Besuch des Bürgermeisters Stefan Böske in der Polizeiwache an der Spenger Straße wurde deshalb bewusst zurückgeblickt auf ein Jahr, das von enger Zusammenarbeit, vielen kleinen Einsätzen und einigen besonderen Herausforderungen geprägt war.
Die Bezirksbeamten sind das Gesicht der Polizei im Alltag, sie kennen die Wege, die Sorgen und oft auch die Geschichten hinter den Türen, an die sie klopfen. Ob im Austausch mit Schulen, Kitas oder dem Ordnungsamt, ob bei Veranstaltungen oder im ganz normalen Tagesgeschäft, der Draht zwischen Polizei und Stadt war 2025 so kurz wie selten zuvor. Ordnungsamtsleiter Matthias Husemann sprach von einem unkomplizierten Austausch, der es ermöglicht, schnell und pragmatisch zu reagieren, während Feuerwehrchef Arndt Höpker ergänzte, wie wichtig dieses Zusammenspiel gerade in einsatzreichen Phasen gewesen sei.
„Wir erleben immer häufiger, dass bei Konflikten sofort nach der Polizei gerufen wird, obwohl ein Gespräch oft der bessere erste Schritt wäre“, schildert Mario Niemeyer vom Bezirksdienst Enger. „Die Schmerzgrenze der Menschen ist gleichzeitig heute niedriger als früher.“ Auffällig im zurückliegenden Jahr eine Entwicklung, die die Beamten mit Sorge beobachten, nämlich die sinkende Bereitschaft, Konflikte zunächst selbst zu klären. Gerade bei Nachbarschaftsstreitigkeiten werde immer häufiger sofort die Polizei gerufen, obwohl es oft um Situationen gehe, die mit einem Gespräch lösbar wären. Die Toleranzschwelle sei gesunken, sagen die Beamten, und auch das Ordnungsamt macht deutlich, dass nicht jede Alltagsstörung automatisch eine Frage der öffentlichen Sicherheit ist. Diese Einordnung gehört inzwischen genauso zum Job wie das Einschreiten selbst.
Gleichzeitig zeigte das Jahr, wie wertvoll sichtbare Präsenz ist. „Sichtbare Präsenz und kurze Wege zwischen Stadt, Polizei und Feuerwehr haben sich 2025 bewährt und spürbar zum Sicherheitsgefühl beigetragen“, sagt Matthias Husemann, Leiter des Ordnungsamtes. Beim Kirschblütenfest etwa wurden gemeinsame Streifen von städtischen Mitarbeitern und Polizei eingesetzt, ein Modell, das bei den Besucherinnen und Besuchern gut ankam und auch das Sicherheitsgefühl der Beteiligten spürbar stärkte. Für Bürgermeister Böske ist klar, dass solche Ordnungspartnerschaften ein Gewinn für alle sind, und der Blick in die Kreisstadt Herford zeigt, dass dieser Weg langfristig trägt.
Der Aufgabenbereich der Bezirksbeamten reichte dabei weit über Präsenz hinaus. Sie begleiteten den Verkehrsversuch an der Grundschule Enger-Mitte, kontrollierten die Schulstraße in der Poststraße und sorgten dafür, dass Elterntaxis zu den Stoßzeiten draußen blieben, mit insgesamt zufriedenstellenden Ergebnissen. Sie waren Ansprechpartner bei Anzeigen, vollstreckten Haftbefehle und arbeiteten für die Staatsanwaltschaft, unter anderem bei der Aufklärung eines Raubüberfalls auf ein Juweliergeschäft, der schließlich zur Festnahme des Täters führte.
Daneben prägten viele alltägliche Einsätze den Jahresverlauf, von Supermarktdiebstählen über Vandalismus am Widukind-Gymnasium bis hin zur Überwachung von Rückkehrverboten in Fällen häuslicher Gewalt. Auch die Zusammenarbeit bei sensiblen Einsätzen, etwa wenn psychisch erkrankte Menschen eine Gefahr für sich oder andere darstellen, funktionierte reibungslos zwischen Polizei und Ordnungsamt. Dass Verkehrsunfälle von anderen Einheiten übernommen werden und die Streifen auch außerhalb der Wachenöffnungszeiten durch Kollegen aus Bünde gefahren werden, „rundet das Sicherheitsnetz ab“, weiß Jörg Niederbudde, Leiter des Bezirksdienstes Nord.
Auch die Freiwillige Feuerwehr war 2025 stark gefordert, insbesondere im Herbst, als sich die Einsätze über Wochen hinweg häuften und teilweise täglich Alarm ausgelöst wurde. Feuerwehrchef Arndt Höpker berichtet von einer spürbaren Steigerung der Einsatzzahlen, die von Verkehrsunfällen bis zu ausgelösten Brandmeldeanlagen reichten, und betont den hohen Einsatzwillen der ehrenamtlichen Kräfte, die jederzeit bereitstanden und damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit in Enger leisteten. Gerade die Häufung einzelner Einsätze blieb dabei in Erinnerung, denn an manchen Tagen wurden die Feuerwehrleute gleich mehrfach alarmiert, teils zu unterschiedlichen Einsatzorten innerhalb weniger Stunden. „Das habe ich in all den Jahren noch nicht erlebt“, sagt Feuerwehrchef Arndt Höpker, betont jedoch zugleich, dass es trotz dieser Ausnahmetage insgesamt nicht mehr Einsatzzahlen als in den Jahren zuvor gegeben habe.
2025 war damit kein Jahr der spektakulären Schlagzeilen, sondern eines der konstanten Arbeit, der vielen Gespräche und der Präsenz vor Ort.
